Seit 08:05 Uhr Kakadu

Sonntag, 19.01.2020
 
Seit 08:05 Uhr Kakadu

Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.05.2018

"Don Karlos" am Residenztheater MünchenDie Liebe als Systemfehler

Christoph Leibold im Gespräch mit Andrea Gerk

Podcast abonnieren
Eine Szene aus "Don Karlos" von Friedrich Schiller im Residenztheater München in der Regie von Martin Kušej. In der Hauptrolle: Nils Strunk. (Matthias Horn)
Gerade mal 27 Jahre alt ist Nils Strunk, der die Hauptrolle in "Don Karlos" spielt. (Matthias Horn)

Die "Don Karlos"-Inszenierung von Martin Kušej am Residenztheater München lässt keinen Raum für Trost. Es geht um gnadenlose Macht und zum Scheitern verurteilte Liebe. Dabei entpuppt sich der Klassiker von Friedrich Schiller als eine Art Thriller.

In Martin Kušejs Inszenierung von Friedrich Schillers "Don Karlos" am Residenztheater München dreht sich alles um die Freheit, oder besser: um die Abwesenheit der Freiheit. Kušej kritisierte vor der Premiere, die Menschen hätten mittlerweile alle Chancen auf Freiheit vergeigt. "Das ist eine interessante Aussage", sagte Theaterkritiker Christoph Leibold im Deutschlandfunk Kultur, "weil das Stück, das wir erleben, zumal so wie Kušej es inszeniert, eigentlich eine Welt zeigt, in der man Freiheit gar nicht vergeigen kann, weil Freiheit hier von vornherein keine Chance hat."

Keine Freiheit, keine Liebe

Die Macht drängt mit Gewalt alles zurück und lässt Freiheit, Liebe und Selbstwirklichung nicht zu. "Liebe ist hier nur ein Systemfehler", sagt Leibold. Besonders interessant an der Inszenierung ist die Besetzung von Don Karlos, der von dem erst 27-jährigen Niels Strunk gespielt wird.

Szene aus "Don Karlos" von Friedrich Schiller in der Regie von Martin Kušej im Residenztheater München. (Matthias Horn)Völlig am Boden: Szene aus "Don Karlos" von Friedrich Schiller in der Regie von Martin Kušej im Residenztheater München. (Matthias Horn)

Die Inszenierung konfrontiert die Zuschauer mit verschiedenen Typen von Machtbewusstsein. Der Stil der Inszenierung habe etwas von einem Thriller. Dazu passt, dass Kušej vermutet, dass wenn Friedrich Schiller noch leben würde, er wohl die Drehbücher spannender Serien schreiben würde.

(mau)

Mehr zum Thema

"Oh, der Einfall war kindisch, aber göttlich schön"
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 03.02.2013)

Premieren Residenztheater München - Dramatische Zeiten brauchen Dramatik
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 25.09.2016)

Ein Kommentar zur Theatertreffen-Auswahl - Treffen der Platzhirsche
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 30.01.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsTradition der Bauernmissachtung
Ein Traktor mit langer Verschlusszeit fotografiert, so dass das Foto verschwommen ist. (picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Bundesweit demonstrieren die Bauern gegen strengere ökologische Vorschriften. Das bringt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" dazu, den fehlenden Respekt der Restbevölkerung gegenüber den Landwirten zu beklagen - und deutsche Countrymusik zu vermissen.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur