Seit 14:00 Uhr Nachrichten

Freitag, 19.07.2019
 
Seit 14:00 Uhr Nachrichten

Kompressor | Beitrag vom 07.06.2019

Dokumentation zu DDR-Fernsehen45 Minuten und kein Interesse

Matthias Dell im Gespräch mit Max Oppel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Besucher des DDR-Museums blickt auf einen Fernseher in dem die Sendung "Der Schwarze Kanal" mit dessen Moderator Karl-Eduard von Schnitzler läuft.  (Imago / Bernd Friedel)
Exponat im DDR-Museum: Im DDR-Fernsehen beschäftigte sich die Sendung "Der Schwarze Kanal" mit dem West-TV. (Imago / Bernd Friedel)

Die ZDF-Dokumentation "Fernsehen in der DDR" will einen Einblick in die TV-Landschaft der ehemaligen DDR geben. Doch scheitere sie an dieser Aufgabe, findet Journalist Matthias Dell: Es würden simpelste Erinnerungen und einfachste Gefühle bedient.

Vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls im November zeigt ZDFinfo am Freitagabend eine ganz besondere Dokumentation: "Fernsehen in der DDR – Sandmann, Propaganda und ein Kessel Buntes". Darin werden sechs Sendungen aus dem DDR-TV vorgestellt: "Der Schwarze Kanal", "Willi Schwabes Rumpelkammer", "Die Aktuelle Kamera", "Ein Kessel Buntes", "Außenseiter-Spitzenreiter" und die Jugendsendung "Elf99".

Kritik an ZDF-Dokumentation

Neben Einspielern aus den besagten Sendungen kommen auch Ostdeutsche zu Wort, die über ihre persönlichen Erinnerungen berichten. Deutschlandfunk-Kultur-Mitarbeiter Matthias Dell findet die ZDF-Doku allerdings höchst problematisch.

"Es geht immer nur um Widerstand und Repression, dazwischen ist ein bisschen Unterhaltung. Wenn das die einzige Perspektive ist, dann ist das nicht gut", findet der Fernsehkritiker. Mit "Verachtung und Zynismus" seien die 45 Minuten der Sendung gefüllt worden.

Es geht auch anders

Die ZDF-Doku sei zudem durchformatiert. Daher, so Dell, habe die Sendung nicht das Recht, sich selbst über ein anderes Fernsehen zu mokieren: Die Doku interessiere sich selbst für überhaupt nichts. Statt dessen würden simpelste Erinnerungen und einfachste Gefühle präsentiert.

Das es auch anders gehe, habe am Montag das Künstlergruppe Reproducts mit ihrem Format "Fernsehfriedhof" in Berlin gezeigt, sagt Dell. Sie näherten sich in der Veranstaltung "Wessifizierung durch Fernsehen" dem DDR-Fernsehen über dessen Inhalt – ohne sich darüber zu belustigen oder die Nase zu rümpfen.

(rzr)

Mehr zum Thema

Radikale Ideen unters Volk bringen - Im Westen ging man in den Copyshop, im Osten in den Untergrund
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 05.06.2019)

Gedichte zum Mauerfall - Den großen und kleinen Wenden nachspüren
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 21.05.2019)

Treuhandanstalt und die Folgen - Das ostdeutsche Trauma
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 13.05.2019)

Fazit

Drei Frauen an der MachtNoch kein Ende des Patriarchats
Ursula von der Leyen (Mitte), scheidende Verteidigungsministerin und neugewählte EU-Kommissionspräsidentin, erhält im Schloss Bellevue ihre Entlassungsurkunde neben ihrer Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer (links), im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel. (dpa-Bildfunk / Michael Kappeler )

In der Politik rücken mehr Frauen in Spitzenpositionen. Doch die geballte Frauenpower des CDU-Trios Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer, meint Genderforscherin Paula-Irene Villa, besiegle noch nicht das Ende des Patriarchats.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur