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Interview | Beitrag vom 04.09.2020

Dokumentarfilm „Greta“Porträt einer furchtlosen und müden Aktivistin

Anke Leweke im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Greta Thunberg steht mit Maske und Schild (auf Deutsch: "Schulstreik für das Klima") vor dem schwedischen Parlament. (imago images / Fredrik Sandberg)
Seit mehr als zwei Jahren im Streik: Greta Thunberg am 4. September 2020 vor dem Parlament in Stockholm (imago images / Fredrik Sandberg)

Viele Bilder in dem Dokumentarfilm „Greta“ sind schon bekannt. Doch die Klimaaktivistin Thunberg mache mit ihrer Persönlichkeit die Schwächen des Werkes wett, berichtet Kritikerin Anke Leweke von den Filmfestspielen in Venedig, wo "Greta" erstmals lief.

Seit mehr als zwei Jahren streikt Greta Thunberg mittlerweile für das Klima. Seitdem ist nicht nur die Klimabewegung "Fridays for Future" entstanden und der Klimawandel als Thema in der Öffentlichkeit wieder deutlich präsenter geworden. Greta ist auch zu einem popkulturellen Phänomen geworden.

Dem will sich nun ein Dokumentarfilm annähern, der auf den Filmfestspielen in Venedig Premiere feiert: "Greta" von Nathan Grossman – eine ARD-Koproduktion mit der Streamingplattform Hulu.

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Das Fazit unserer Filmkritikerin Anke Leweke fällt gemischt aus. Zum einen sehe man in dem Film viel, was man schon gesehen habe: Gretas Treffen mit dem französischen Präsidenten Macron oder ihre Reden im britischen Parlament oder vor den Vereinten Nationen.

Die Wut, wenn sich nichts verändert

Dennoch nehme man durch die Ausführlichkeit und Aneinanderreihung der Ereignisse die "Furchtlosigkeit und Ernsthaftigkeit von Greta Thunberg mehr wahr", mit denen sie die Politikerinnen und Politiker weltweit zur Rechenschaft ziehen wolle, sagt Leweke. Man spüre dabei ihre Müdigkeit, weil sie sich immer wiederholen müsse, und ihre Wut, weil sich nichts verändere.

Bilder von Politikern, die während der Reden nicht zuhören oder auf ihre Handys schauen, untermalten das. Auch die Respektlosigkeit gegenüber Greta bekomme man mit, wenn manche ihre Anwesenheit als Werbung nutzen wollten – nach dem Motto "Lädt man sich Greta ein, tut man was für den Klimaschutz", sagt Leweke. Vereinnahmen lasse sich Greta jedoch nicht, auch das zeige der Film.

Manche Szenen hätten mehr Zeit verdient

Ein Werbefilm sei diese Dokumentation nicht. Jedoch hätte sich Regisseur Grossman bei bestimmten Szenen noch mehr Zeit nehmen dürfen. Zum Beispiel, wenn Greta Thunberg eine Rede schreibt: "Das macht sie ganz ausführlich, ringt mit jedem Wort – das hätte man mal einfach drei, vier Minuten zeigen können."

Durch die privaten Aufnahmen sei der Film trotz der Kritikpunkte sehr berührend, erklärt Leweke: Wenn es um Einsamkeit gehe und Gretas Asperger-Erkrankung zum Beispiel. "Die Schwächen des Films werden durch diese Person sublimiert."

(sed)

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