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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.04.2019

Doku über Bochumer OpelarbeiterMehr als eine Anekdotensammlung

Johanna Schellhagen im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Das alte Foto zeigt sechs Vertreter der Arbeiterschaft von Opel Bochum vor dem Werksgebäude. Links im Bild weist ein Schild auf das Werk hin.  (Sabcat Media)
Die Arbeitervertreter von Opel Bochum (ein Foto aus den 1970er-Jahren) bewiesen über Jahrzehnte Durchhaltevermögen und Engagement. (Sabcat Media)

Die Bochumer Opelaner haben sich selbst ein Denkmal gesetzt: Auf ihre Initiative hin entstand die Doku "Luft zum Atmen", die 40 Jahre Kampf um ihre Arbeit nachzeichnet. Der Zusammenhalt der ehemaligen Arbeiter beeindruckte die Filmemacherin Johanna Schellhagen.

"Wir müssen als Resümee ziehen, dass es sich lohnt zu kämpfen." - "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren." - "Bertolt Brecht." - "Dat war von mir, nicht von Bertolt Brecht, den kenn ich nicht." – Zu hören sind diese Sätze von Bochumer Opelanern in Johanna Schellhagens Dokumentarfilm "Luft zum Atmen - 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum", der am 2. Mai in die Kinos kommt.

Die Filmemacherin lässt darin Veteranen in der Arbeiterschaft des größten Produktionswerks von General Motors in Europa zu Wort kommen: Jene Männer, die sich von 1972 an bis zur Werksschließung, Ende 2014, jeden Dienstag trafen, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung im Betrieb zu kämpfen.

Noch heute treffen sie sich 

Diese "Gruppe oppositioneller Gewerkschafter"(GoG) hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert. Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenverfolgung, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten sogar, auf eigenen Faust direkte internationale Solidarität zwischen den verschiedenen General Motors Belegschaften in Europa herzustellen, um sich gegen die Standorterpressungen in den 90er-Jahren zur Wehr zu setzen. 2004 legten sie mit einem sechstägigen wilden Streik die Produktion in ganz Europa lahm – und stehen auch heute noch regelmäßig in Kontakt.

Wie kam Johanna Schellhagen auf die Idee, über die Opelaner einen Film zu machen? "Naja, das war eigentlich gar nicht meine Idee", räumt die Regisseurin ein. "Die sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir den Film machen wollen. Die haben sich schon zwei Jahre lang jeden Dienstag getroffen und überlegt, was in den Film rein soll, weil sie das Anliegen haben, weiterzugeben, was sie selbst erfahren haben in den 40 Jahren, die sie da radikale Arbeit im Betrieb gemacht haben."

"Die haben einfach als Gruppe funktioniert"

Das habe sie überzeugt, sagt Schellhagen. "Wenn sie gesagt hätten: Wir waren so toll und wir möchten jetzt Anekdoten von früher erzählen, dann hätte ich es natürlich nicht gemacht."

Das nie nachlassende Engagement der Arbeitervertreter in all den Jahren hat Schellhagen nachhaltig beeindruckt: "Die haben einfach als Gruppe funktioniert." Es sei einfach toll zu sehen, was die Opelaner auf die Beine gestellt hätten, sich für Kollegen eingesetzt und am Ende, als auch der wilde Streik nicht mehr half, hohe Abfindungen ausgehandelt hätten.

(mkn)

Interview

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