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Echtzeit | Beitrag vom 29.10.2016

Doku-Serie Von Masyaf ins Berghain

Von Christoph Spittler

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Dieses Bild zeigt den Syrer Ali - nicht unmittelbar nach seiner Flucht, sondern nach einer durchzechten Nacht auf dem Fusion Festival im Sommer 2016 (Privat)
Dieses Bild zeigt den Syrer Ali - nicht unmittelbar nach seiner Flucht, sondern nach einer durchzechten Nacht auf dem Fusion Festival im Sommer 2016 (Privat)

Ali ist ein Bilderbuch-Hipster mit Skinnyjeans und Undercut. In der Schlange vor dem Berghain wird er für einen Partytouristen aus Spanien gehalten. Doch Ali ist ein Geflüchteter aus Syrien. Der Feature-Autor Christoph Spittler begleitet ihn durch seinen atemlosen Alltag.

Bei einem Konzert treffen Sie das erste Mal aufeinander: Ali, 26, ein Bilderbuch-Hipster mit Skinnyjeans und Undercut. Und Christoph, 47, ein zugezogener Berliner aus Westdeutschland. Augenscheinlich haben sie viel gemeinsam, mögen dieselben Clubs, bewegen sich in denselben Milieus in Berlin-Mitte und Kreuzkölln.

In der Schlange vor dem Berghain hält man Ali für einen Partytouristen aus Spanien. Tatsächlich ist er vor einem Jahr aus dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflüchtet. Hier schwimmt er im Expat-Biotop wie ein Fisch im Wasser, spielt in diversen Bands – vor Punks in der Köpi, vor Ministern und vorm Bundespräsidenten –  tanzt bei Sasha Walz, hat zigtausend Freunde und Projekte. Und ist manchmal ganz schön gestresst von seinem Leben als Vorzeigeflüchtling.

Christoph Spittler begleitet ihn durch seinen atemlosen Alltag – soweit er Schritt halten kann. Und bei jeder Begegnung versucht er, besser zu verstehen, wer dieser Ali eigentlich ist.

Serien-Autor Christoph Spittler (r.) und sein Protagonist Ali Hasan im Gespräch miteinander (Privat)Serien-Autor Christoph Spittler (r.) und sein Protagonist Ali Hasan haben auf den ersten Blick vieles gemeinsam. Aber sie kommen aus völlig unterschiedlichen Welten. (Privat)

Autor: Christoph Spittler
Regie: Friederike Wigger und Christoph Spittler
Ton: Alexander Brennceke und Gunda Herke
Sprecher: Moses Leo und Christoph Spittler

Christoph Spittler, (*1969) ist studierter Ethnologe. Als langjähriger Feature-Autor betreibt er am liebsten Feldforschungen an den wilden Rändern des Alltags: im Kitkatclub, unter Pickup-Artists oder erfolglosen Youtubern. Das Feature "Panzerfahren für Papi – das Geschäft mit den Erlebnisgeschenken" (Deutschlandfunk) ist für den diesjährigen Ernst-Schneider-Preis nominiert.

Doku-Serie "Von Masyaf ins Berghain"

Folge 1 am 1.10.2016
Refugees welcome
Christoph Spittler verirrt sich in die Köpi. Im Ex-Besetzerhaus läuft ein Rap-Konzert, und er lernt zum ersten Mal einen echten Geflüchteten kennen: Ali aus Masyaf, einer mittelgroßen Stadt in Westsyrien. Er muss feststellen: Dieser Typ hat eigentlich mehr Freunde in Berlin als er selbst. Wie läuft das im Nachtleben, in Syrien und in Berlin?  

Folge 2 am 8.10.2016
Counterstrike
Heute besucht Christoph Ali in seiner Kreuzköllner WG, und Ali erzählt von seinem Leben. Von Counterstrike und Need for Speed. Vom Auffanglager in Eisenhüttenstadt – und natürlich vom Krieg.

Ali liegt auf der Wiese, Sonnenbrille auf der Nase in der Sonne, und ruht sich aus. (Privat)Ali in einem kurzen Moment des Innehaltens. Bevor es weitergeht zum nächsten Termin. Ein Leben als Vorzeigeflüchtling ist nämlich ganz schön sportlich. (Privat)

Ali und seine Kumpels sind eine populäre Showeinlage auf Charity  Dinners und politischen Veranstaltungen in denen es irgendwie um Flüchtlinge geht. Hier mit dem Countertenor Dani Alor und dem Oud-Spieler Alaa Zaitouna auf einer Veranstaltung des EU Parlaments.  (Hans Martin Fleischer)Ali und seine Kumpels sind eine populäre Showeinlage auf Charity Dinners und politischen Veranstaltungen in denen es irgendwie um Flüchtlinge geht. Hier mit dem Countertenor Dani Alor und dem Oud-Spieler Alaa Zaitouna auf einer Veranstaltung des EU Parlaments. (Hans Martin Fleischer)

Folge 3 am 15.10.2016
Selfies
Ali tritt heute mit seiner Band bei den Grünen auf. Eine Band, ganz aus geflüchteten Syrern, die sich in Berlin kennengelernt haben – die Story ist einfach ein Politikertraum. Aber als Katrin Göring-Eckhardt Selfies mit Refugees machen will, ist Ali schon verschwunden...

Folge 4 am 22.10.2016
In der NUK (Notunterkunft)
Ali ist übernächtigt von der Party gestern, aber das hilft nichts: heute muss er als Sozialarbeiter ran. In der Notunterkunft arbeitet er bei einer Refugees-Welcome-Initiative mit. Erinnerungen an seine eigene Flucht kommen hoch.

Folge 5 am 29.10.2016
Happy birthday, Syrer
Alis Geburtstagsparty: 150 Leute auf einer Parkwiese, ein Countertenor, ein Schriftsteller und trommelnde Araber, die mit blonden Frauen flirten. Der Untergang des Abendlandes also.

Folge 6 am 5.11.2016
It's a man's world
Ali skypt mit seiner Verlobten. Die wohnt noch in Syrien, trägt Hijab und soll in ein paar Monaten nachkommen. Aber was wird dann passieren? Ali lebt inzwischen auf einem anderen Planeten. Auf dem Aliens mit Gesichtstattoos und Frauen in Hotpants rumlaufen.

Ali Arm in Arm mit seiner Verlobten vor einem Sonnenuntergang (Privat)Ali Arm in Arm mit seiner Verlobten (Privat)

Ali bei der Probe des "Hoffnungschors" (Kiana Hariri)Ali bei der Probe des "Hoffnungschors" (Kiana Hariri)

Folge 7 am 12.11.2016
Freude schöner Götterfunken
In einer Neuköllner Kirche begleitet Ali als Perkussionist den Hoffnungschor. Der Chor aus vielen Geflüchteten und ein paar nicht Geflüchteten studiert deutsche und arabische Lieder ein. Der Mond ist aufgegangen und Freude schöner Götterfunken. Anlass für Ali, über Religion nachzudenken und sich als Jesus-Fan zu outen.

Folge 8 am 19.11.2016
Empowerment
Heute begleiten wir Ali zu Sasha Waltz and Guests. Er tritt als Percussionist bei einer Tanztheateraufführung im Rahmen des Festivals "Landschaften der Hoffnung" auf und zeigt der Compagnie backstage ein paar Schritte. Dem Hochglanz der Hochkultur begegnet Ali dabei wie immer: unerschrocken.

Folge 9 am 26.11.2016
Du kommst nicht hinein!
Endlich ist es soweit: Ali und Christoph wollen ins Berghain. Das heißt erst mal eineinhalb Stunden Schlangestehen. Zeit, über die Zukunft nachzudenken. Und nervös darauf zu warten, ob man reinkommt oder nicht.

Fazit

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