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Interview | Beitrag vom 31.03.2021

Doku "Charité intensiv: Station 43"Demut vor der Pandemie

Carl Gierstorfer im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Eine Frau in Schutzmaske und Schutzkleidung im Krankenwagen (RBB / Carl Giersdorfer / Docdays)
Dem schwierigen Alltag der Intensivmediziner und Covid-19-Patienten an der Berliner Charité widmet sich eine eindrucksvolle TV-Dokumentation. (RBB / Carl Giersdorfer / Docdays)

Monatelang hat der Dokumentarfilmer Carl Gierstorfer allein mit der Kamera den Alltag auf der Covid-19-Intensivstation der Charité begleitet. Die vierteilige Dokumentation läuft im RBB und zeigt die Herausforderungen für Patienten und Pflegepersonal.

Mit Beginn der monatelangen Dreharbeiten auf der Covid-Intensivstation der Berliner Charité habe er eine ganz andere Welt betreten, schildert der Dokumentarfilmer und Biologe Carl Gierstorfer seine Arbeit an der vierteiligen RBB-Dokumentation "Charité intensiv: Station 43".

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"Es herrscht ein ruhiges, konzentriertes Treiben und die Patienten liegen in den Zimmern, die meisten sind beatmet, viele brauchen eine Lungenersatzmaschine." Er habe sehr viel Zeit dort verbracht und versucht, Vertrauen zu Ärzten, Pflegepersonal, Patienten und deren Angehörigen aufzubauen. "Was ich machen wollte, ist die Arbeit und den Alltag auf der Station zu dokumentieren." Er hatte immer seine Kamera um und habe versucht, sein Anliegen zu vermitteln. Gedreht wurde nur mit Einverständnis der Beteiligten.

Momente großer Menschlichkeit

"Das hat mich natürlich über das Krankenhaus hinaus begleitet", schildert Gierstorfer die Herausforderungen der Dreharbeiten. Trotz der schwierigen Momente habe er in der Charité auch Momente großer Menschlichkeit miterlebt. So habe er auch gefilmt, als eine Tochter ihre Mutter in den Tod begleitet habe und von ihr Abschied nahm. Das habe auch etwas Versöhnliches gehabt, weil die Tochter auch den Wunsch ihrer Mutter erfüllt habe, irgendwann sterben zu dürfen.

"Ich habe die Tochter erst vor zwei Wochen wieder getroffen und wir waren spazieren", erzählt der Filmemacher. Es hätten sich tiefe persönliche Beziehungen über den Dreh ergeben, die ihm viel bedeuteten.

Das Wort "Demut" ist allgegenwärtig  

Das sonst wenig gebräuchliche Wort "Demut" sei im Klinikalltag allgegenwärtig gewesen. Dabei sei es um die Demut vor der Pandemie gegangen, aber auch um die Demut vor dem Tod und dem Leben. Er habe auf der Station oft gehört, dass man jeden Tag schätzen sollte, an dem man lebt und gesund sei.

Die vierteilige Doku-Serie "Charité intensiv: Station 43" ist ab 31. März 2021 um 20 Uhr komplett in der ARD Mediathek zu sehen. 

(gem)

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