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Kompressor | Beitrag vom 07.12.2018

Documenta-Kurator über Rassismus-Debatte"Rassismus ist systemisch"

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Bonaventure Soh Bejeng Ndikung trägt einen grünen Anzug, er sitzt auf einem Stuhl, trägt einen grünen Anzug und lehnt sich leicht zurück.  (imago / Eibner)
Der Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung leitet in der Berlin den Kunstraum Savvy Contemporary. (imago / Eibner)

Nach umstrittenen Äußerungen des Kurators Kasper König über Deutsch-Türken hat eine Debatte um Rassismus im Kunstbetrieb begonnen. Doch der frühere Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung mahnt, das Problem sei größer als der Einzelfall.

Rassimus im Kulturbetrieb sei nichts Neues, sagt der Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der aus Kamerun stammt. In den vergangenen Monaten sei er häufiger angerufen worden, um über Rassismus zu sprechen als über Ausstellungen, die er betreute. Über die Debatte um Äußerungen des Kunstprofessors Kasper König sagt Ndikung: "Deshalb hat es mich überrascht, wie überrascht wir sind, dass Kasper König sowas sagt."

Mitte November während einer Diskussionsveranstaltung in den Münchner Kammerspielen hatte König sich abfällig über "Typen aus Kreuzberg" geäußert. Er sprach hämisch über Deutsch-Türken. Mit ihm auf der Bühne saß die Künstlerin Cana Bilir-Meier. Die hatte sich anschließend auf Facebook über eine Horrordiskussion beschwert. Nun zeigten sich mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler mit ihr solidarisch und unterzeichneten den Appell "Es kotzt uns an!"

Das Münchner Publikum bejubelte Kasper

Auch Ndikung unterschrieb den Appel. "Es geht nicht um Kasper König", sagt er. "Er ist wichtig, aber so wichtig ist er auch nicht." Vielmehr gehe es darum, "wie wir in der Gesellschaft behandelt werden". Denn das Problem, dass Künstlerinnen und Künstler aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft diskriminiert werden, sei systemisch und systematisch.

Das habe sich auch daran gezeigt, wie das Publikum in München reagierte. Sie klatschten König Beifall. "Das ist das Traurige", sagt Ndikung. "Die finden das sogar lustig." Dass König sich inzwischen bei Bilir-Meier entschuldigt hat, nennt Ndikung gut. "Das zeigt Größe. Ich habe sehr viel Respekt davor, dass er das gemacht hat." Und wiederholt: "Es geht aber nicht um König."

(nsc)

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