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Die besondere Aufnahme / Archiv | Beitrag vom 25.01.2020

Dlf-Kultur-Produktion: Cellokonzerte von Kapustin und Schnittke mit Eckart Runge und dem RSB"Sich dieser Musik zu nähern, gleicht einer Weltreise!"

Moderation: Stefan Lang. Gäste: Cellist Eckart Runge und Dirigent Frank Strobel

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Der Cellist hält sein Instrument vor sich und stützt sein Kinn darauf. (Eckart Runge / Roland Unger)
1989 gründete der Cellist Eckart Runge das Artemis Quartett - heute ist er wieder solistisch unterwegs. (Eckart Runge / Roland Unger)

Der Komponist Nikolai Kapustin verfügte, dass Eckard Runge die Ersteinspielung seines Cellokonzertes vornehmen sollte, als Referenz. Runge kombiniert dieses mit Alfred Schnittkes großem Cellokonzert, das zur Eröffnung der Münchner Philharmonie uraufgeführt wurde.

Eckart Runge war Gründungsmitglied des hoch geschätzten Artemis Quartettes, das er im Jahr 2019 zu Gunsten eigener Projekte, wie dieses, verlassen hat. Seit 1989 hatte das Quartett sein Leben bestimmt - zunehmend entwickelte er aber mehr solistische und andere kammermusikalische Konzertformate, für die er sich mehr engagieren möchte. 

Weltreise per Cello

Das Konzert von Nikolai Kapustin bezeichnet Eckart Runge als eine Weltreise für das Violoncello. "Man muss in die verschiedenen Universen eindringen, um diese Musik zu erfassen: Es ist die Welt des Sinfoniekonzerts, des Solospiels, die Welt des Jazztrios und der Bigband, die alle vier in diesem Werk vereint sind. Diese Musik ist wie Wein, sie brauche Zeit zum Reifen. Das Werk muß gelernt werden und dann ruhen. Erst dann entwickele sich die Leichtigkeit, um dieses Cellokonzert wirklich spielen zu können", so Runge weiter.

Die beiden Männer stehen im Foyer des Hauses vor einem Plakat des Senders. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Eckart Runge (Cellist) und Frank Strobel (Dirigent) sind zu Gast im Studio von Deutschlandfunk Kultur. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Allerdings brauche es dazu ein Orchester, "das mit allen Wassern gewaschen sei". Und das könne das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin leisten, so der Dirigent Frank Strobel. Besonders wichtig sei der Besuch bei Kapustin in Moskau gewesen, berichtet Runge weiter. Er stehe mit ihm in regelmäßigen Kontakt. Während das zweite Cellokonzert schon in etlichen Einspielungen vorliege, berichtet der Cellist, ist das nun die erste Einspielung des Werkes, das bereits in den frühen 90er Jahren entstand. Der Komponist verfügte nun, dass Eckart Runge diese Aufnahme vorlegen sollte.

Nah an Alfred Schnittke

Der Dirigent Frank Strobel lernte das Cellowerk von Alfred Schnittke während der Uraufführung kennen, bei der Eröffnungsveranstaltung der Philharmonie im Gasteig in München. Natalia Gutman war damals die Uraufführungscellistin. "Das war für mich ein nachdrückliches Erlebnis", so Strobel, der daraufhin den Entschluss fasste, dieses Konzert selbst einmal dirigieren zu wollen. Frank Strobel hat mit Alfred Schnittke lange Zeit zusammengearbeitet. 

Porträt des Komponisten im Zuschauerraum. (imago images / Michel Neumeister)Alfred Schnittke 1986 zu Gast in der Philharmonie München. (imago images / Michel Neumeister)

1992 bestritten beide die Uraufführung "Die letzten Tage von St. Petersburg". Damals spielte das Ensemble Modern. Strobel half Schnittke, das Werk zu vollenden, da Schnittke kurz zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte. Aus dieser Situation heraus entwickelte sich ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Komponist und Dirigenten - die Verbindung zu Schnittkes Musik wurde seit dem gefestigt. Und Eckart Runge ist vom diesem Cellokonzert besonders angetan, vor allem von der "Unmittelbarkeit des persönlichen Ausdrucks", der in der Musik liege. 

Aufnahmen vom Oktober 2019 im Großen Sendesaal im Haus des Rundfunks in der Masurenallee

Nikolai Kapustin   
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 op. 85

Alfred Schnittke
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1

Eckart Runge, Violoncello
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Frank Strobel

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