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Lesart | Beitrag vom 04.02.2021

Diversität im LiteraturbetriebQueere Autor*innen stören die herrschenden Strukturen

Alexander Graeff im Gespräch mit Joachim Scholl

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Zwei Fäuste mit den bunten Buchstaben LGBTQIA. (Unsplash / Sharon Mc Cutcheon / Deutschlandradio)
Queere Themen sind in der Literatur inzwischen deutlich präsenter als noch vor zehn Jahren. Dennoch bleibt viel Luft nach oben, sagt der Autor Alexander Graeff. (Unsplash / Sharon Mc Cutcheon / Deutschlandradio)

Queere Literaturschaffende haben den Themenkanon erweitert und bereichert. Dennoch reagiere der klassische Literaturbetrieb immer noch viel zu verhalten auf ihre Texte, kritisiert der Schriftsteller Alexander Graeff.

In den vergangenen Jahren ist ein Trend zu queerer Literatur zu beobachten: Autor*innen wie Ocean Vuong oder Edouard Louis feiern internationale Erfolge, Literaturmagazine und Buchläden widmen sich mehr und mehr queerer Literatur. Wie verhält sich der traditionelle Literaturbetrieb zu dieser Entwicklung?

Für den Schriftsteller Alexander Graeff, der sich im Netzwerk Queer Media Society für mehr Sichtbarkeit queerer Literatur engagiert, war der deutsche Literaturbetrieb vor zehn, 15 Jahren – als er begann, sich darin zu bewegen - noch "klassistisch-heteronormativ verfugt". Und er sei es teilweise noch immer, sagt der Autor. Seiner Beobachtung nach "stört queere Literatur den hegemonialen Symbolkanon".

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Zwar gebe es den Willen, marginalisierte Gruppen zu Wort kommen zu lassen, sagt Graeff. In der Realität seien diese aber immer noch stark unterrepräsentiert.

Einfluss auf die politische Literatur

Eine große Leistung der queeren Literatur sei, dass sich die Definition von "politischer Literatur" verschoben habe, meint der Autor: "Es geht bei politischer Literatur nicht mehr nur um Verteilungsfragen und Kapitalismuskritik, sondern eben auch um Körper, um Perspektiven, um Privilegien, um Weltwahrnehmung und um die Chance, Realiätstunnel zu erweitern."

Hat dadurch die Literaturszene stärker vom "Ich" zum "Wir" gefunden? Dort sei der Literaturbetrieb noch lange nicht angekommen, meint Graeff: "Wir haben noch nicht einmal das 'Ich' zu vollem Potenzial gebracht."

(mkn)

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