Seit 00:05 Uhr Das Podcastmagazin
Montag, 25.10.2021
 
Seit 00:05 Uhr Das Podcastmagazin

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.10.2017

Diskussion um Bildungsstudie"Was zählt, ist der gute Unterricht"

Felicitas Thiel im Gespräch mit Katrin Heise

Ein Schulkind liegt niedergeschlagen auf seiner Schulbank.  (imago/Thomas Eisenhuth)
In Mathe sind die Grundschüler seit 2011 schlechter geworden. (imago/Thomas Eisenhuth)

Deutsch und Mathe mangelhaft, das ist das Ergebnis des aktuellen Bildungsmonitorings in Grundschulen. Die Interpretation, dass daran die Kinder mit Migrationshintergrund Schuld seien, hält Bildungsexpertin Felicitas Thiel allerdings für verfrüht.

Das aktuelle Bildungsmonitoring des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) sei eine Wasserstandsmeldung, nun müsse die Analyse folgen, fordert die Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der FU Berlin, Felicitas Thiel. Überall sei nun zu hören, dass die Kinder mit Migrationshintergrund das Problem seien, so Thiel. "Ich finde, das ist eine völlig unzulässige Interpretation. Das wissen wir nicht. Wir wissen sogar, dass Kinder mit Migrationshintergrund sehr zufrieden sind, teilweise motivierter als Kinder ohne Zuwanderungshintergrund. Insofern ist das ein absoluter Schnellschuss, da braucht man Analysen."

Rückschritte sind "alarmierend"

Die am Freitag von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt Studie hatte ergeben: Der Anteil der Kinder, die die Regelstandards im Bereich Orthografie erreichen oder übertreffen, sank zwischen 2011 und 2016 von 65 auf 55 Prozent. In Mathematik fiel dieser Anteil von 68 auf 62 Prozent. Auch im Bereich Zuhören, der in das Fach Deutsch fällt, gab es eine negative Entwicklung.

Die Rückschritte in Mathe, Zuhören und Orthographie seien "alarmierend", so Thiel. "Wir sollten aber nicht vergessen, dass die Ergebnisse im Bereich Lesen stabil geblieben sind und das trotz höherer Beteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund. Genau da haben wir in den letzten Jahren investiert und gute Programme implementiert."

Forderung nach genauer Diagnostik und einer Strategie

Beim Umgang mit der zunehmenden Heterogenität in den Schulklassen bedarf es einer besseren Diagnostik und besserer Materialien, fordert Thiel. "Die Lehrpersonen müssen genau wissen, wo stehen die Kinder, und dann brauchen sie Materialen, mit denen sie die Kinder erreichen können, die einen ganz spezifischen Förderbedarf haben." Da brauche es auch Initiativen mit Verlagen, um auf der Grundlage von Forschung von Wissenschaft genau solche Materialien herzustellen. "So eine Strategie fehlt mir bislang im Umgang mit Heterogenität", so Thiel. Das betreffe vor allem die Mathematik.

Auch die Wissenschaft habe erst in den letzten Jahren den Blick von Strukturreformen auf den Unterricht gerichtet. "Ich habe den Eindruck, dass wir jetzt auch an einem Wendepunkt stehen, wo wir bereits sind, die ideologischen Fronten ein bisschen zu verlassen und uns auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt, nämlich der gute Unterricht."

(uz)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Saudi-ArabienKlimafreundlicher mit Ölförderung?
Ein saudischer Mann schaut durch ein Flugzeugfenster, durch das eine Ölraffinerie zu sehen ist. (AFP / Giuseppe Cacace)

Saudi-Arabien verdient viel Geld mit dem Erdölexport. Dennoch will es unabhängiger vom Öl werden. Eine Wende in der Klimapolitik? Es gehe eher um wirtschaftliche und politische Motive, sagt der Energie-Experte Tobias Zumbrägel von der NGO Carpo.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur