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Literatur | Beitrag vom 07.04.2019

Diskussion über BildspracheWas die Selfie-Kultur über die Gegenwart verrät

Moderation: René Aguigah

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Eine Frau fotografiert sich selbst vor dem Karwendel-Gebirge (Selfie). (Picture Alliance / dpa / Angelika Warmuth)
Wer ein Selfie macht, will sich zeigen, aber womöglich auch etwas verbergen. (Picture Alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Privater Schnappschuss oder öffentliche Selbstinszenierung? Wie die Selfie-Kultur unser Leben verändert hat, darüber sprechen die Kulturwissenschaftler Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich sowie die Kunstkritikerin Elke Buhr.

Selfies sind Teil unseres Alltags. Selbst wer keine schnellen Fotos von sich selber macht, ist doch in allen möglichen Medien von ihnen umgeben. Um Selfies geht es im ersten Band einer Reihe von kleinen Büchern, die die Kulturwissenschaftler Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich herausgeben, unter dem Titel "Digitale Bildkulturen". Gemeinsam mit Elke Buhr, Chefredakteurin der Zeitschrift "Monopol", diskutieren sie über Selfies als eine der erfolgreichsten Kommunikationsformen in den sozialen Medien.

Die Selfie-Kultur ist nicht narzistisch

Den Vorwurf des Narzissmus an die heutige Selfie-Kultur weisen die beiden Herausgeber der Reihe zurück. Die ersten Selfies, sagt Kohout, entstanden vielmehr aus einer Geste der Verlegenheit. Man machte ein Selfie, weil man niemanden darum bitten wollte, ein Foto zu machen und eben gerade nicht narzisstisch wirken wollte. Wolfgang Ullrich sieht im Selfiemachen gar ein Zeichen sozialer Intelligenz und Integriertheit.

Selfies von Obama oder Angela Merkel sind im kollektiven Gedächtnis präsent, aber verändern sie auch die politische Repräsentation? Wer knipst eigentlich wen und wie? Die Kunstkritikerin Elke Buhr sieht eine Verbindung zur Porträtmalerei. Diese bediente ursprünglich ein Bedürfnis, das heute durch Selfies abgedeckt wird: nämlich sich als Individuum in der Öffentlichkeit repräsentiert zu sehen.

Kategorien privat und öffentlich lösen sich auf

Das Selfie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen dem privaten Moment eines Schnappschusses und der Selbstinszenierung im Internet. Entsprechend geht es bei Selfies nie nur ums Zeigen, sondern auch immer ums Verbergen, sagt Wolfgang Ullrich: Filter und andere Techniken sind letztlich dazu da, sich im ständigen Zeigen ein Stück Privatheit zurückzuerobern.

Auf die Frage, wie sich die Selfiekultur in Zukunft wandeln wird, antwortet Annekathrin Kohout, sie glaube, dass die Kategorien privat und öffentlich sich noch stärker auflösen und wir immer besser gewappnet sein werden für eine immer präsente Öffentlichkeit.

Die Diskussion ist der Mitschnitt einer Veranstaltung, die im Berliner "Kindl. Zentrum für zeitgenössische Kunst" stattfand. Wolfgang Ullrichs Buch "Selfies" ist soeben im Wagenbach Verlag erschienen.

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