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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.01.2019

Diskussion im HKW BerlinDas Bauhaus und die Autonomie der Kunst

Von Nikolaus Bernau

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Blick auf die Bühne im Haus der Kulturen der Welt in Berlin: Mehrere Personen vor dem Schriftzug "Wie politisch ist das Bauhaus?" (Nikolaus Bernau)
Symposium "Wie politisch ist das Bauhaus?": Die Beteiligten der Diskussion auf dem Podium im Berliner Haus der Kulturen der Welt. (Nikolaus Bernau)

War das Bauhaus politisch – und wie politisch muss die Erinnerung an das Bauhaus sein, um diesem gerecht zu werden? Das waren die Kernfragen bei einem Symposium, das im Berliner Haus der Kulturen der Welt stattfand.

Einig war man sich im Berliner Haus der Kulturen der Welt: Selbst wenn Walter Gropius behauptete, dass es eine unpolitische Kunst geben könne – tatsächlich ist Kunst immer politisch, auch und gerade in unruhigen Zeiten. Immer wieder wurde dabei die historisch gut belegte Bedrohung des Bauhauses durch rechte, konservative und völkische Bewegungen in den 1920er-und 1930er-Jahren herangezogen.

17 ehemalige Bauhausschüler starben als Opfer der Shoa, viele mussten fliehen, andere passten sich dem Druck an: Dieser wurde auch mit dem Druck verglichen, der aktuell etwa durch die AfD und die Identitäre Bewegung auf Kulturorganisationen hierzulande ausgeübt wird – zum Beispiel auf Theater und Museen.

Körperkult und Lust am Crossdressing

Beim Thema "The Perversions of the Bauhaus" gab es Einblicke in den Körperkult, die Lust am Crossdressing von Männern und Frauen und die Angst etwa Marcel Breuers und Walter Gropius`, dass diese Lust entdeckt würde. Ebenso im Fokus waren die Diskriminierung von Frauen, aber auch ihre Emanzipationsmöglichkeiten, die etwa durch die Aufwertung der Weberei zur freien Kunst geboten wurden.

Das Bauhaus und das Wohnen lenkte den Blick auf die elitären Meisterhäuser und das Direktorenwohnhaus in Dessau – und die Frage, ob sie mehr waren, als Reklame für Walter Gropius. Und wieso schaffte es die Arbeitersiedlung Dessau-Törten, zum Modell frühen industrialisierten Bauens zu reüssieren – obwohl die Baukosten 50 Prozent höher waren als im konventionellen Bau, die Bewohner so unglücklich waren, dass sie ihre Häuser schnellstens veränderten?

Richtig heiß wurde es, als es um die Frage ging, was heute der adäquate Weg ist, das Bauhaus-Gedenken zu aktualisieren – muss dafür auch der Extremismus-Begriff neu definiert werden?

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