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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.04.2019

Diskussion "German Angst? Aber sicher!"Zwischen Sicherheit und Freiheit

Moderation: Christian Rabhansl

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Zu sehen ist eine neonfarbene Leuchtinstallation in der Londoner Galerie Tate Modern. Zu lese ist: "Run From Fear, Fun From Rear". (Owen Kemp / Unsplash)
Ist Angst ein typisch deutsches Phänomen? Über dieses Thema diskutieren FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Historiker Frank Biess. (Owen Kemp / Unsplash)

Mit dem Begriff "German Angst" wird den Deutschen ein Hang zu diesem Gefühl nachgesagt. Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Historiker Frank Biess haben Bücher zur deutschen Angst veröffentlicht – und diskutieren über das Verhältnis zur Freiheit.

Angst haben wir alle, oft auch vor großen Problemen, wie etwa dem Klimawandel, Gewalt und Terror, davor, dass unsere liberale Demokratie in Gefahr sein könnte – oder auch der Zukunft insgesamt. Der deutschen Gesellschaft wird dabei ein besonderer Hang zur Angst nachgesagt, was sich in dem Begriff "German Angst" ausdrückt.

Unter dem Titel: "German Angst? Aber sicher! Zwischen Sicherheit und Freiheit" haben wir mit zwei Autoren gesprochen, die ihre neuen Bücher vorstellen: Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit ihrem Buch "Angst essen Freiheit auf. Warum wir unsere Grundrechte schützen müssen" und der Historiker Frank Biess mit seinem Buch "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik". Er war mit seinem Buch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Positive Seite der Ängste

Frank Biess beschäftigt sich als Historiker in seinem Buch auch mit der Gegenwart. Er versucht, die Rolle der Gefühle in der Politik zu analysieren. Die Geschichte der Bundesrepublik sieht er als Geschichte kollektiver Ängste. Seine These: Politische Debatten sind in Deutschland meist von Angst geprägt - auch aktuell: Der Rechtpopulismus sei eine Bewegung, "die getrieben ist von der bewussten Mobilisierung von Ängsten", sagte er im Gespräch. Für Biess haben diese Ängste aber auch eine positive Seite: Sie hätten dazu beigetragen, die Bundesrepublik stabil und erfolgreich zu machen.

Grundrechte stärker ins Bewusstsein rücken

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger fordert, die Bedeutung der Grundrechte in der deutschen Verfassung gehöre wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung. "Das ist der Kern dieses Obersatzes 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' - und eben des Menschen. So steht es im deutschen Grundgesetz und das betrifft jeden: Jeder, der hier lebt in Deutschland, eben auch der Asylbewerber aus einem afrikanischen Land." Sie warnt davor, diese Grundrechte als selbstverständlich zu betrachten.

Die Veranstaltung wurde am 2.4.2019 um 20 Uhr im "Café Central International" im Grillo-Theater in Essen aufgezeichnet.

Auf dem Podium waren neben der FDP-Politikerin und Autorin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und dem Geschichtsprofessor Frank Biess der Kulturchef der WAZ, Jens Dirksen sowie Christian Rabhansl, Moderator von Deutschlandfunk Kultur. 

Frank Biess: "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik"
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
624 Seiten, 22 Euro

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: "Angst essen Freiheit auf. Warum wir unsere Grundrechte schützen müssen"
wbg Theiss, Darmstadt 2019
208 Seiten, 18 Euro

Mehr zum Thema

Preise der Leipziger Buchmesse - Ehrungen für Stelling, Jähner und Wemme
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 21.03.2019)

"Republik der Angst" von Frank Biess - Wie Furcht die deutsche Gesellschaft stabilisierte
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 02.03.2019)

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(Deutschlandfunk Kultur, Wortwechsel, 01.03.2019)

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