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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 05.07.2015

Discover Football Festival"Fußball ist politisch, besonders Frauenfußball"

Von Ernst-Ludwig von Aster

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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Fußballerinnen des Discover Football Festivals. (Imago / Metodi Popow)
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Fußballerinnen des Discover Football Festivals. (Imago / Metodi Popow)

Für Steffi Jones, die zukünftige Bundestrainerin der deutschen Fußballfrauen, ist es "die kleine WM in Kreuzberg". Eine Woche lang treffen mehr als 100 Kickerinnen aus 27 Nationen beim "Discover Football Festival" aufeinander.

Russland stürmt, Kirgisistan hält dagegen. Der Kickertisch hinter dem Fußballtor im Willy Kressmann-Stadion wackelt. Jekaterina aus Bischkek und Lubow aus Nowosibirsk treten gegeneinander an. Joan aus Uganda guckt zu. Ein wenig Entspannung für die drei Fußballerinnen, bevor es gleich auf den Platz geht...

"Meine Freundinnen haben mich inspiriert Fußball zu spielen", sagt die 23-jährige Joan, "wir sind fünf junge Frauen in Kampala, wir trainieren nach der Arbeit."

"Natürlich spielen vor allem Männer in Uganda Fußball", erzählt sie. "Wir Frauen werden schräg angeguckt. Und bekommen Sprüche zu hören: "Ihr benehmt Euch ja wie die Männer". Joan verdreht die Augen. "Das nervt!" Aber abhalten lässt sich davon nicht.

Gleich wird sie hier für das Team "Yellow Asphalt" antreten. Zusammen mit Lubow und Jekaterina. Verstärkt durch Spielerinnen aus Ägypten und Argentinien. Die Trainerinnen kommen aus Kambodscha und der Ukraine. Grenzüberschreitender Frauen-Fußball – das ist Programm beim "Discover Football-Festival", sagt Lea Gölnitz, eine der Organisatorinnen.

Lea Gölnitz: "Bei uns spielen eben nicht Brasilien gegen Argentinien. In den meisten Teams sind drei, vier oder fünf Nationen vertreten. Wir stellen natürlich Übersetzerinnen, damit Teams auch sich verständigen können."

Zum vierten Mal treffen sich die Kickerinnen aus aller Welt. Eine Woche Frauen-Fußball international. Unterstützt vom Auswärtigen Amt, dem Innenministerium und einigen Stiftungen. Acht Teams, mehr als 100 Spielerinnen aus 27 Nationen treten an. Nur die Mannschaft aus Afghanistan fehlt. Die Spielerinnen bekamen keine Visa.

Das Recht als Frau Fußball zu spielen

Lea Gölnitz: "Wir sagen Fußball ist politisch, besonders Frauenfußball, einmal weil weltweit trotz großer Widerstände Frauen Fußball spielen, das ist oft verboten. Und sie setzen sich über Verbote hinweg. Sich was erkämpfen, Rechte erkämpfen, dass drückt es ja schon aus, dass es politisch ist."

Morgens trainieren, nachmittags Turnier, Abends workshops, Filme, Diskussionen. Auf dem Pink-Sofa berichten Spielerinnen über die Situation in ihren Ländern. Über ihren Fußballalltag. Und den Kampf um einen gleichberechtigen Platz in der Gesellschaft. Der ist auch in Deutschland noch lange nicht vorbei:

Lea Gölnitz: "Wir sagen aber auch dass Frauenfußball in Deutschland politisch ist, weil es zum Beispiel verschiedene Platzzeiten, Trainingszeiten, es gibt immer noch verschieden viele Fördermittel."

Da hilft nur: Dran bleiben, Druck machen. Pressing auf allen Positionen.

Auf dem Platz liegt das Team von Yellow Asphalt mittlerweile 2:0 zurück. Jekaterina steht im Tor, Lubow stürmt, Joan springt an der Seitenlinie auf und ab.

Auf russisch, spanisch, englisch und deutsch kommen die Kommandos von der Seitenlinie. Esraa, die Ägypterin und Lubow die Russin, rennen unermüdlich gegen die Abwehr des Black-Rubber-Teams an. Mit Erfolg. Am Ende steht es 2:2.

Joan nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche. Und lächelt zufrieden.

"Es ist gut, wenn man an sich glaubt", sagt sie. "Man muss es immer wieder probieren. Und darf einfach nicht aufgeben".

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