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Tonart | Beitrag vom 15.04.2020

Dirk von Lowtzow im GesprächTocotronic geben "Hoffnung"

Moderation: Joachim Scholl

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 Dirk von Lowtzow steht mit E-Gitarre und singt in ein Standmikrofon, im Hintergrund ist ein gelb-grüner Farblichtverlauf und eine Diskokugel. (imago-images / Christoph Worsch)
Spricht über "Hoffnung" mit und ohne Anführungszeichen: Dirk von Lowtzow von Tocotronic. (imago-images / Christoph Worsch)

Quasi aus Versehen haben Tocotronic das passende Lied zur Krise geschrieben. Im neuen Song „Hoffnung“ geht es um die Verzweiflung über die Vereinzelung. Der Text entstand aber lange vor Corona, erzählt der Sänger der Band Dirk von Lowtzow.

Es wird noch eine Weile dauern, bis der erste große Corona-Roman kommt – oder das erste Post-Seuchen-Album. Aber schon jetzt reagieren Kreative und Künstler natürlich auf die Ausnahmesituation. Tocotronic etwa.

Die Band hat gerade einen neuen Song namens "Hoffnung" veröffentlicht und dabei mitgeteilt, dass uns dieser Song "in diesen dunklen Tagen" genau das schenken soll: Hoffnung.

Coronavirus-NewsletterDer Text des Liedes ist eigentlich schon über ein Jahr alt und trifft die Verzweiflung über die Vereinzelung, in der sich viele von uns momentan befinden, auf den Punkt. Darum haben wir bei Dirk von Lowtzow, Sänger und Songschreiber der Band Tocotronic angerufen, um mit ihm über "Hoffnung" mit und ohne Anführungszeichen zu sprechen.

Geradezu prophetisch

Als die Band "Hoffnung" für das neue Album in Bearbeitung hatte, sei ihnen aufgefallen, dass das Stück perfekt auf die Situation passe, in der sich viele Menschen derzeit befänden – nämlich isoliert, erklärt Dirk von Lowtzow. Deshalb sei die Idee aufgekommen, das Stück vorzeitig fertigzustellen und zu veröffentlichen. Als eine Art musikalischer Hoffnungsschimmer.

Beim Schreiben habe er eigentlich an existenzielle Einsamkeit gedacht, so von Lowtzow: "Es ist ein Stück über Isoliertheit oder Unbehaustheit und begreift das Thema auch als ein politisches Problem oder eine politische Fragestellung. Deshalb hat es auch so einen utopischen Nebenstrang. Es wird hier von einem neuen Zusammenhang gesprochen oder von Transformation."

Es geht um Isolation und Vereinzelung

Dass die Band seit bald 27 Jahren regelmäßig den Zahn der Zeit treffe, sei einfach etwas, das Musik genau wie Literatur oder jede andere Art von Kunst auszeichne. Denn gelungene Kunst habe eine Art seismografische Herangehensweise. Sie nimmt bestimmte Themen vorweg oder ahnt sie voraus.

So sei "Hoffnung" eben ein Stück über Isolation und Vereinzelung und deren Überwindung, ohne jeden Bezug zur Coronakrise. Der Text passe nur eben trotzdem sehr, sehr gut auf die Situation, in der viele Menschen im Augenblick sind, gerade wenn sie alleinstehend seien, oder wenig Anschluss hätten. 

Auch die Band selbst hat Hoffnung

Außerdem gehe in dem Lied eben auch um Musik: "Musik wird ja in dem Stück selbst besungen oder, besser gesagt, besingt sich auch selbst. Es geht um Lyrics, Music, Ton, Klang, vom Großen ins Kleine."

Von Lowtzow sagt, dass Tocotronic im Gegensatz zu Kolleginnen und Kollegen nicht so stark von der Coronakrise betroffen seien. Nur die gerade anberaumten Aufnahmetage im Studio hätten auf Juni verschoben werden müssen.

Wie es um die zwei vorgesehenen Festivals Ende August in Hamburg und Anfang September in Potsdam stünde, das sei gerade unklar. "Aber auch da hilft das Prinzip Hoffnung", so der Sänger.

(hte)

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