Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Donnerstag, 27.02.2020
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 24.01.2020

Dirigent des Jewish Chamber Orchestra MunichAuf das aktive jüdische Leben konzentrieren

Daniel Grossmann im Gespräch mit Miron Tenenberg

Beitrag hören Podcast abonnieren
Porträt des Münchner Dirigenten und Musikers Daniel Grossmann (imago/HRSchulz)
Der Dirigent Daniel Grossmann begleitet mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich den Film "Nacht und Nebel" mit Originalaufnahmen aus den Konzentrationslagern in der Volksbühne Berlin. (imago/HRSchulz)

Der Dirigent Daniel Grossmann möchte mit seiner Arbeit mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich die jüdische Kultur in Deutschland wieder sichtbar machen. Auch wolle er das Wirken jüdischer Künstler in den Vordergrund stellen – das Leben vor ihrer Ermordung.

Das Jewish Chamber Orchestra Munich hat bereits einige Musiken zu Stummfilmen gespielt. Einige Tage nach dem Holocaust-Gedenktag wird es nun in der Volksbühne Berlin den Film "Nacht und Nebel" von Alain Resnais aus dem Jahr 1956 begleiten, für den Hanns Eisler die Musik komponiert hat. 

Der künstlerische Leiter des Orchesters, Daniel Grossmann, ist sich sicher, die Menschen an dem Abend zu erreichen. "Ich bin überzeugt, dass Originalaufnahmen aus den Konzentrationslagern immer erreichen." Man könne sich dem Grauen nicht verschließen, wenn man diese Bilder sehe.

Den Jüngeren die Geschichte nahe bringen

Er sieht seine Anstrengung vor allem darin, diese historischen Zeitdokumente, ob Film oder Musik, in die heutige Zeit zu bringen. Denn für viele Menschen sei die Schoah, der Massenmord an den Jüdinnen und Juden, bereits sehr entfernt. Darin sieht Grossmann ein Problem, denn jüngere Menschen würden sich der Konfrontation einfach nicht mehr stellen.

"Dann ist es natürlich schwierig aus Geschichte zu lernen und ich glaube tatsächlich, dass viele junge Menschen diese Bilder gar nicht kennen."

Traumata gebe es, so Daniel Grossmann, auf beiden Seiten. Er selbst kenne das aus seiner eigenen Familie, die stark unter den Nationalsozialisten und ihren Mitläufern gelitten habe. Doch Traumata gebe es auch bei den Täter- und Mitläuferfamilien. "Es ist wichtig sich auch diesen Traumata zu stellen. Man kann diese Traumata sehen und zwar jeden Tag!"

Dennoch hält der Münchner nichts von einem schwermütigen Erinnerungskult, der viele Jahrzehnte das Gedenken geprägt hat. Er möchte sich in der Arbeit mit dem Orchester mehr auf das aktive jüdische Leben konzentrieren. Das beinhalte definitiv auch die Auseinandersetzung mit Werken von durch Nationalsozialisten ermordeten Künstlerinnen und Künstlern, reduziere sie aber nicht alleine auf den Mord an ihnen.

Er wolle das Wirken der Menschen in den Vordergrund stellen, sagt Grossmann. Immerhin sei er mit dem Orchester auch niemandem verpflichtet. Das sei ihm wichtig, denn er stehe für ein jüdisches Leben auch außerhalb von organisierten Gemeinden.

"Die jüdischen Menschen gibt es ja. Die haben eine Lebensrealität. Mir geht es viel zu wenig um das Bemühen, wieder eine sichtbare jüdische Kultur in Deutschland lebendig werden zu lassen."

(mit)

Aus der jüdischen Welt

Jüdische Hachschara-BewegungFit für den Kibbuz
Eine junge Frau füttert Hühner auf dem Feld. (akg images / Abraham Pisarek)

Tausende jüdische Jugendliche wanderten in den 1920er und 1930er Jahren nach Palästina aus, um im Kibbuz zu arbeiten. Zuvor hatten sie sich gewissenhaft auf die neue Aufgabe vorbereitet – in Deutschland gab es mehr als 30 Ausbildungsstätten.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur