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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.05.2018

Direktor verlässt Kunsthalle Wien vorzeitigSchafhausen "ist uns in den Rücken gefallen"

Gerhard Ruiss im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Nicolaus Schafhausen (picture alliance / dpa / HERBERT PFARRHOFER)
Leiter Nicolaus Schafhausen verlässt frühzeitig die Kunsthalle Wien (picture alliance / dpa / HERBERT PFARRHOFER)

Nicolaus Schafhausen gibt seinen Posten als Leiter der Kunsthalle Wien vorzeitig ab. Der Grund: Österreichs nationalistische Politik. Gerhard Ruiss vom Literaturhaus Wien kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen.

Dieser Abgang kam sehr überraschend: Nicolaus Schafhausen, der Leiter der Kunsthalle Wien, wirft vorzeitig das Handtuch. Im März 2019 wird er nach sieben Jahren im Amt gehen. Ursprünglich wäre sein Vertrag bis 2022 gelaufen.

Österreichs Politik verantwortlich gemacht

Für Aufsehen sorgt dieser Rücktritt vor allem wegen der Begründung: "In der derzeitigen nationalistischen Politik in Österreich und der europäischen Situation sehe ich die Wirkungsmächtigkeit von Kulturinstitutionen wie der Kunsthalle Wien für die Zukunft in Frage gestellt", schrieb er in einer Pressemitteilung.

Eine Frontalansicht der Kunsthalle Wien - ein eher graues Gebäude mit einem prominent platzierten Schriftzug (dpa / picture alliance / Beate Schleep)Die Kunsthalle Wien braucht ab April 2019 einen neuen Leiter. (dpa / picture alliance / Beate Schleep)

"Mit der Argumentation ist uns Nicolaus Schafhausen natürlich in den Rücken gefallen. Das heißt, er setzt eine Situation voraus, die derzeit überhaupt nicht der Fall ist", sagt Gerhard Ruiss vom Literaturhaus Wien, selbst Autor, Musiker und Sprecher der Interessengemeinschaft Autorinnen Autoren in Österreich. Zudem lasse er all diejenigen, die kulturelle Oppositionsarbeit leisten, alleine.

"Er setzt sich ab und sagt: ‚Es ist ohnehin aussichtslos, weil überall nur Nationalismus herrscht.‘, aber das Gegenteil wäre notwendig, die Auseinandersetzung damit gerade jetzt!" Zudem erinnert Ruiss daran, dass Schafhausen eigentlich angetreten sei, um diese gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu führen, doch jetzt knicke er ein – "ohne wirklich erkennbaren Grund."

Einmischung erwünscht

Zudem werfen österreichische Medien Schafhausen vor, mit seinem Programm gescheitert zu sein - an der Stadt Wien. Das große Aufsehen, das er im Vorfeld seiner Arbeit in Wien angekündigt hatte, habe er nicht erreicht. Er habe zwar viel Konfliktkultur angekündigt, doch die Konfliktkultur, für die er sich stellvertretend sehe, habe so nicht stattgefunden, so Gerhard Ruiss weiter. Bei den österreichischen Künstlern könne man zudem eine unglaubliche Courage beobachten, von kultureller Seite gebe es genug Opposition, diese sei auch nie erfolglos. "Natürlich kann man nicht gegen die ganze Gesellschaft gewinnen, aber man kann unbeirrbar bleiben."

Auf die im Raum stehende Vermutung, er sei als Deutscher unbeliebt gewesen, antwortet Ruiss kurz und knapp, dass er das nicht für zutreffend halte. Vielmehr sieht er eine "Herangehensweise, die immer nur drauf sieht und nicht hineinsieht" als Problem. "Hier wartet aber niemand drauf, dass man von außen die Erhellung bekommt, bei uns kann und soll man sich einmischen", diese Einmischung sei erwünscht.

 

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