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Kulturnachrichten

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Direktor des Budapester Literaturmuseums tritt ab

Vorangenagen waren Angriffe rechts-nationaler Medien

Der Generaldirektor des Budapester Petöfi-Literaturmuseums, Gergely Pröhle, nimmt nach wochenlangen Angriffen der Regierungsmedien gegen ihn den Hut. Wie das zuständige Ministerium für Humanressourcen auf der Regierungswebseite mitteilte, habe man das Dienstverhältnis Pröhles "im gegenseitigen Einvernehmen" mit Wirkung vom 1. November aufgelöst. Eine Begründung nannte die Mitteilung nicht. Pröhle gilt als loyaler Anhänger der rechts-nationalen Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orban. Dennoch griff ihn eine Artikelserie im Regierungssprachrohr "Magyar Idök" (Ungarische Zeiten) über Wochen an. Pröhle würde nichts unternehmen, um die angebliche Hegemonie links-liberaler Kreise in Literatur und Kultur zu brechen, lautete der Vorwurf. Die angeblich zu Unrecht vernachlässigten Literaten der völkischen und nationalen Linie würden wiederum auch unter seiner Führung vom Petöfi-Museum ignoriert.

Gerhard Richter kritisiert "Werk ohne Autor"

Der an seine Biographie angelehnte Film ist dem Maler "zu reißerisch"

Gerhard Richter ist überhaupt nicht angetan von dem an sein Leben angelehnten Film des deutschen Oscarpreisträgers Florian Henckel von Donnersmarck. "Werk ohne Autor" sei ihm "zu reißerisch", sagte der 86 Jahre alte Maler der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Gesehen habe er den Film zwar nicht, "schon aus praktischen Gründen - weil ich dreieinhalb Stunden gar nicht aushalte in meinem Alter". Aber der Trailer, den ihm der Regisseur gezeigt habe, habe ihm gereicht. Einmal habe er gefragt, ob er eine DVD bekommen könne, aber das sei abgelehnt worden. "Werk ohne Autor" erzählt von einem Künstler, der während der NS-Zeit aufwächst, in der DDR erste Erfolge feiert, dann aber in Westdeutschland einen Neuanfang wagt.

Udo Lindenberg zieht es noch in Jazzclubs

Mit Jazz die Musikerkarriere gestartet

Auch nach Jahrzehnten im Rock-Geschäft geht Udo Lindenberg immer noch alle zwei Monate in verschiedene Hamburger Jazzclubs. "Manchmal spiel' ich da dann auch Schlagzeug", sagte der Musiker der Deutschen Presse-Agentur. Mit Jazz hatte der Deutschrock-Star seine Musikerkarriere gestartet. Sein 2006 verstorbener Bruder Erich hatte Udo als Kind mitgenommen in einen Jazzkeller im westfälischen Gronau, Udo Lindenbergs Geburtsstadt. Als er elf Jahre alt war, gab er sein Debüt am Schlagzeug einer Jazzband.

Neuer Kurator für die Biennale für aktuelle Fotografie

David Campany wird das Programm 2020 entwickeln

Der englischen Autor und Kurator David Campany wird 2020 die zweite Biennenale für aktuelle Fotografie kuratieren. Dies gab der Vorstand des Festivals bekannt. Campany kündigte an, das paradoxe Gefühl zu erkunden, das Fotografie heute in den Menschen auslöse: "Wir fühlen uns zur Fotografie hingezogen, und sie ist eine Quelle großer Faszination. Gleichzeitig misstrauen wir ihrer Macht und ihrer Manipulation." Die 2. Biennale für aktuelle Fotografie findet vom 29.02. bis 26.04.2020 statt. Erstamls 2017 wurde die Biennale für aktuelle Fotografie in der Nachfolge des Fotofestivals Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg veranstaltet.

Kollegah distanziert sich von Auschwitz-Zeilen

Rapper zeigt sich geläutert

Gangster-Rapper Kollegah hat sich von den Auschwitz- und Holocaust-Textzeilen auf seinem Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" distanziert. "Ich werde so etwas nie wieder benutzen", sagte Kollegah im Interview mit dem Magazin "Stern". Das inzwischen als jugendgefährdend indizierte Album "JBG 3" hatte bei der Echo-Verleihung einen Eklat verursacht, der zur Abschaffung des Musikpreises führte. Er stehe "für Toleranz und gegen alle Vorurteile rassistischer oder religiöser Art", sagte der 34-Jährige. "Die Zeit der Provokation ist vielleicht erst mal vorbei."

Zusammenarbeit mit Israel bei NS-Raubkunst

Erforschung der NS-Geschichte und Rückgabe von Kunst hat zentrale Bedeutung

Deutschland und Israel wollen bei der Aufklärung von NS-Raubkunstfällen weiter eng zusammenarbeiten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte nach den gemeinsamen Regierungskonsultationen in Jerusalem, beide Seiten seien sich einig, dass die Erforschung der NS-Geschichte von Kunstwerken und ihre mögliche Rückgabe an jüdische Erben weiter zentrale Bedeutung habe. Zudem unterstütze Deutschland das Vorhaben, die derzeit im Berliner Gropius-Bau laufende Ausstellung "Bestandsaufnahme Gurlitt" 2019 in Jerusalem zu zeigen.

Marion Dönhoff Preis für Seyran Ates

Anwältin habe bedeutenden Beitrag für das Zusammenleben geleistet

Seyran Ates wird in diesem Jahr mit dem Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet. Die Jury entschied sich für Seyran Ates als Trägerin des Hauptpreises, die als Anwältin, Autorin und Frauenrechtlerin einen bedeutenden Beitrag zum respektvollen Zusammenleben in Deutschland leiste und unermüdlich für einen modernen, aufgeklärten Islam kämpfe. Matthias Naß, Juryvorsitzender und Internationaler Korrespondent der ZEIT: „Seyran Ates hat in Berlin die liberale Ibn Rushd-Goethe Moschee gegründet und sich damit in beispielhafter Weise für einen Dialog zwischen den Kulturen und Religionen engagiert." Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen erhält in diesem Jahr den Marion Dönhoff Förderpreis. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 20.000 Euro dotiert.

Vergewaltigungsurteil: Arnault geht in Berufung

Über den Fall Arnault hatte sich das Literaturnobelpreis-Komitee zerstitten

Der in Schweden wegen Vergewaltigung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilte Franzose Jean-Claude Arnault will in Berufung gehen. Das zuständige Berufungsgericht bestätige am einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Aftonbladet". Arnault, Auslöser des Eklats um den für dieses Jahr abgesagten Literaturnobelpreis, sitzt derzeit in Haft. Im Berufungsantrag fordert der Anwalt des 72-jährigen, das Urteil wegen Vergewaltigung und den Haftbefehl gegen ihn aufzuheben. Jean-Claude Arnault ist Ausgangspunkt des Skandals um den abgesagten Literaturnobelpreis. Die Mitglieder des Komitees hatten sich über die Frage zerstritten, wie man mit den Vorwürfen gegen Arnault umgehen sollte.

Kommune kauft Stuttgarter Weissenhofsiedlung

Stadt will architektonisch bedeutsame Siedlung erhalten

Die Stadt Stuttgart kauft die architektonisch bedeutsame Weissenhofsiedlung. Sie wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) abgegeben, wie die Kommune mitteilte. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte, Ziel, sei es die Siedlung als Ganzes zu erhalten. Zwei Häuser des Stararchitekten Le Corbusier (1887-1965) der Weissenhofsiedlung waren im Sommer 2016 in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen worden. Ein Gebäude dient als Museum.

documenta-Obelisk: Oguibes Galerist äußert sich

Man erwarte nun, dass die Stadt auf den Künstler zugehe

Im Streit um die Zukunft des documenta-Obeliks hat sich nun der Galerist von Olu Oguibe geäußert. Alexander Koch sagte, man erwarte nun, dass die Stadt auf den Künstler zugehe. Die Stadt hatte das Kunstwerk am Mittwoch bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom Königsplatz in der Innenstadt entfernt und die 16 Meter hohe Steinsäule auf einem Bauhof eingelagert. Sie sieht den Künstler in der Pflicht: Die Entscheidung, was mit dem Kunstwerk geschehen soll, obliege nun Oguibe. Der Obelisk ist ein Kunstwerk zum Thema Flucht und war Teil der Kunstausstellung documenta 14 in Kassel. Die Stadt wollte ihn mit Spenden über 126 000 Euro ankaufen. Doch der Standort war monatelang ein Streitpunkt: Der Künstler wollte, dass er in der Innenstadt bleibt. Die Stadt beharrte auf anderen Standorten.

Maas eröffnet Deutschlandjahr in den USA

Soft Power soll deutsch-amerikanische Beziehungen verbessern

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat in Washington das Deutschlandjahr in den USA eröffnet. Mehr als 1000 Veranstaltungen in allen US-Bundesstaaten sollen die deutsch-amerikanischen Beziehungen stärken. Unter dem Motto "Wunderbar together" veranstaltet das Goethe Institut gemeinsam mit dem Außenministerium beispielsweise eine DJ-Nacht in Los Angeles, ein German Volksfest in Indianapolis oder eine deutsch-amerikanische Konferenz in Boston. So will die Bundesrepublik angesichts politischer Spannungen die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbessern. Kein Land wird von US-Präsident Trump häufiger angegriffen als Deutschland.

Gerettete Kunstschätze in Damaskus ausgestellt

Antikenbehörde präsentiert von Armee gefundene Antiquitäten

Die syrische Antikenbehörde stellt in Damaskus hunderte Kunstschätze aus, die von der syrischen Armee und ihren Verbündeten während der Kämpfe vor der Zerstörung gerettet wurden. Unter den in einem Kulturzentrum der syrischen Hauptstadt präsentierten 500 Antiquitäten sind Bronzefiguren, Goldstücke und Amphoren. Auch zwei antike Büsten aus der Wüstenstadt Palmyra werden gezeigt, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beschädigt worden waren. Während des Krieges sind Dutzende historische Stätten in Syrien von den verschiedenen Konfliktparteien zerstört, geplündert oder beschädigt worden. Insbesondere die IS-Miliz hat gezielt vorislamische Kunstschätze zerstört oder ins Ausland verkauft. Doch auch den Regierungstruppen wird vorgeworfen, keine Rücksicht auf das Kulturerbe genommen zu haben.

"Leto" feiert Deutschlandpremiere ohne Serebrennikow

Der russische Regisseur steht unter Hausarrest

In Abwesenheit des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow hat dessen Film "Leto" beim Filmfest Hamburg Deutschlandpremiere gefeiert. Serebrennikow konnte bei der Vorführung wie schon bei der Premiere in Cannes im Mai nicht dabei sein, weil er in seinem Heimatland unter Hausarrest steht. Ihm wird Unterschlagung von Fördergeldern vorgeworfen, was der 49-Jährige bestreitet. "Leto" erzählt von jungen Musikern in Leningrad (heute: Sankt Petersburg) Anfang der 80er Jahre. Auch der bekannte iranische Filmemacher Jafar Panahi darf aufgrund eines gegen ihn verhängten Ausreiseverbots nicht zur Vorführung seines neuen Werks "Drei Gesichter" kommen. Er soll in heute Abwesenheit mit der wichtigsten Auszeichnung des Festivals, dem Douglas-Sirk-Preis, geehrt werden.

Soros-Stiftung von Ungarn nach Berlin umgezogen

Ausbau ist geplant

Die Stiftung des US-Milliardärs George Soros hat nach den Anfeindungen in Ungarn ihre Arbeit in Berlin aufgenommen. 80 Mitarbeiter und ihre Familien seien von Budapest mit umgezogen, sagte der Direktor des neuen Hauptstadt-Büros, Goran Buldioski, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Am Schluss sollten etwa 150 Leute hier arbeiten. "Wir freuen uns, dass unser Berliner Büro zusammen mit London, New York und Washington ein Schwerpunktbüro für unsere Stiftungen sein wird." George Soros, ein in Ungarn geborener Holocaust-Überlebender, unterstützt mit seinen Open Society Foundations Bürgerrechtsprojekte in aller Welt. In Ungarn war er seit längerem Ziel scharfer Angriffe der Regierung des rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Deshalb hatte die Stiftungsgruppe den Umzug beschlossen.

Datenschutz-Untersuchung gegen Facebook eingeleitet

Nach Hackerangriff auf das soziale Netzwerk

Die irische Datenschutzbehörde DPC nimmt nach dem massivem Hackerangriff auf Facebook Ermittlungen gegen das soziale Netzwerk auf. Die Behörde teilte mit, dass sich die Nachforschungen insbesondere darauf konzentrierten, ob sich Facebook an die vor kurzem verschärften Datenvorschriften gehalten habe. Nach dem jüngsten Hackerangriff auf Facebook, von dem mindestens 50 Millionen Nutzer betroffen waren, droht dem Netzwerk nun im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung eine Strafe von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes oder 20 Millionen Euro. Facebook hat seine Europa-Zentrale in Irland. Nach dem jüngsten Datendiebstahl bei Facebook haben Hacker Untersuchungen des Konzerns zufolge die Login-Daten der Kunden nicht für den Zugang zu anderen Webseiten benutzt.

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