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Rang I | Beitrag vom 06.10.2018

"Dionysos Stadt" an den Münchner KammerspielenEin zehnstündiger Rausch

Christopher Rüping im Gespräch mit André Mumot

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Nils Kahnwald und Maja Beckmann in einer Inszenierung der zehnstündigen Antiken-Programms "Dionysos Stadt" an den Münchner Kammerspielen; Regie: Christopher Rüping (© Julian Baumann)
Nils Kahnwald und Maja Beckmann in einer Inszenierung der zehnstündigen Antiken-Programms "Dionysos Stadt" an den Münchner Kammerspielen; Regie: Christopher Rüping (© Julian Baumann)

Eintauchen in die alten Stoffe, das braucht Zeit. An den Münchner Kammerspielen setzt Regisseur Christopher Rüping sein Stück „Dionysos Stadt“ auf zehn Stunden an. Zwischendurch gibt es Getränke, Speisen und Musik.

In diesem Jahr war er mit Brechts "Trommeln in der Nacht" beim Theatertreffen, jetzt hat sich Christopher Rüping, Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen, eine neue sehr ambitionierte Aufgabe gestellt: Rund zehn Stunden dauern die Aufführungen seiner Inszenierung "Dionysos Stadt" – rund um griechische Tragödien und deren Heldinnen und Helden.

Vier Stücke plus Rahmenprogramm

Lange Abende sind in Mode, Neubefragungen von antiken Stoffen auch. Jan Fabre hat vor drei Jahren seinen Mount Olympus gleich auf 24 Stunden angelegt, da ist Christopher Rüping noch relativ bescheiden. Dennoch, eine Herausforderung – auch für die Zuschauer. Denen wird jedoch zwischen vier unabhängigen Stücken ein Rahmenprogramm mit Musik, Getränken, Speisen und Erholungsmöglichkeiten geboten.

"Die Einladung besteht tatsächlich für ein Publikum, mittags um zwölf oder dreizehn Uhr in die Kammerspiele zu kommen und sich dann für die nächsten zehn Stunden zu verirren, zu verlieren, aufzuhalten, den Alltag draußen zu lassen", sagt der Regisseur Christopher Rüping.

Der Theaterregisseur Christopher Rüping war zu Gast in unserer Sendung "Rang 1". (Deutschlandradio - Philipp Eins)Der Theaterregisseur Christopher Rüping: "Das zentrale Erlebnis, das die Griechen in ihren Dionysien geschaffen haben, das will ich auch." (Deutschlandradio - Philipp Eins)

Dabei geht es ihm darum, die Dionysien des alten Griechenlands wieder auferstehen zu lassen: Feste des Rausches und des Theaters. Er selbst säße eigentlich auch nicht gerne sehr lang im Theater, bei antiken Stücken aber gehe es ihm anders:

"Meine Erfahrung ist, wenn das über einen längeren Zeitraum als so ein Tatort-Format läuft, wenn man zehn Stunden diese Themen, diesen Komplexen, dieser Sprache ausgesetzt ist, dass man dann in einen wirklichen Kontakt kommt zu diesen Stoffen."

Ganz aufgehen im Spiel, das braucht Zeit

Im antiken Griechenland verständigte sich eine junge instabile Demokratie über ihre eigenen Werte und ließ für ihre Theaterfeste alle sonstigen gesellschaftlichen Verpflichtungen ruhen.

Parallelen zieht Christopher Rüping heute allerdings zu einem ganz anders gearteten Volksfest:

"Das Oktoberfest ist ein einziger Rauschzustand, den man sich kaufen kann, zu dem man hingeht, bei dem man sich auflösen kann in einer Gruppe. Und bei den Griechen ist dann interessant, dass all das, dieses Sich-selbst-Vergessen, gepaart ist mit einer Selbstbespiegelung. Das zentrale Erlebnis, das die Griechen in ihren Dionysien geschaffen haben, das will ich auch."

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