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Interview / Archiv | Beitrag vom 02.01.2021

Digitaltheater in Augsburg Mehr mit dem Publikum spielen

Tina Lorenz im Gespräch mit Axel Rahmlow

Die Schauspieler Jihyun Cecilia Lee und Natalya Boeva in "Orfeo ed Euridice" in Virtual Reality. (Staatstheater Augsburg / Jan-Pieter Fuhr)
Aus dem klassischen Bühnenstück mit der VR-Brille in die virtuelle Unterwelt: So ließ sich am Augsburger Staatstheater "Orfeo ed Euridice" erleben. (Staatstheater Augsburg / Jan-Pieter Fuhr)

Im Netz brauche das Theater neue Formen, sagt Tina Lorenz vom Staatstheater Augsburg. Sie ist als Projektleiterin eigens fürs Digitale zuständig. Ob mit Plattformen wie Twitch oder mit VR-Brillen: Es wird experimentiert – gemeinsam mit dem Publikum.

Für viele Theater ist das Netz in der Coronakrise zum Ersatzfeld geworden. Das Staatstheater Augsburg denkt noch einen Schritt weiter und hat mit Tina Lorenz eigens eine Projektleiterin für digitale Entwicklung berufen.

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Auf der Internetplattform Twitch wurde jetzt mit einer "Lockdown Latenight" Silvester gefeiert. Das Theater erreichte so sein Publikum mit Darbietungen auf dem heimischen Sofa. Es wurde auch gekocht und gesungen.

Ihre Aufgabe sei es gewesen, den Feedback-Kanal zu betreuen, sagt Lorenz. "Twitch ist für uns ein neuer Kanal." Für das Theater sei es neu, so direkt mit dem Feedback der Zuschauer konfrontiert zu werden. "Die meisten Leute freuen sich tatsächlich, von uns etwas zu sehen." Einen solchen Kanal aufzubauen, brauche Zeit. Bisher gebe es dort nur 500 Follower.

Freche Nutzer

Eines der größten Projekte am Theater seien Aufführungen mit VR-Brillen und die Entwicklung einer Plattform in der virtuellen Realität, in der gemeinsam Theater gespielt werde. "Das, was das Theater ausmacht, diese Co-Präsenz, dass wir zusammen kommen in einem Raum und dort eine Geschichte erzählt bekommen, das wollen wir da erproben."

VR-Ansicht aus dem Stück "Orfeo ed Euridice". (Staatstheater Augsburg / Christian Schläffer)Theater mit VR-Brille: virtuelle Landschaftszene aus dem Stück "Orfeo ed Euridice" des Augsburger Staatstheaters. (Staatstheater Augsburg / Christian Schläffer) 
Die Trennung von Darstellern und Publikum, die es im Theater schon baulich durch die Trennung von Bühne und Zuschauersaal gebe, sei in der virtuellen Welt oder online so nicht mehr möglich, sagt Lorenz. "Wir müssen neue Arten finden, wie wir Theater erzählen, wie wir inszenieren und auch neue Arten, wie wir rezipieren, wie wir zuschauen." Das müsse zusammen neu erfunden werden.  

Nutzer benähmen sich anders, sagt Lorenz über die Online-Projekte. Sie seien manchmal auch ein stückweit frech. "Es ist ja so, dass man nicht Empfänger ist online, sondern auch Sender", so die Theaterfrau. Man müsse sich damit auseinandersetzen, dass antrainierte Verhaltensweisen des Publikums sich veränderten. Das bedeute, dass man eher mit den Leuten spiele als für sie.  

Technologische Innovationen nutzen 

Die VR-Brillen dienten dabei nicht als Spielzeug, sondern als "Raumerweiterung ins Digitale", sagt Lorenz. "Das Schöne ist, man kann das eigentlich kaum übertreiben, denn Theater ist jahrtausendealt und Theater hat sich schon immer technologische Innovationen einfach einverleibt."

Livekameras auf der Bühne habe es früher auch nicht gegeben. "Theater ist aber immer stärker als das", so Lorenz. "Wir haben das Theater nie kaputt gemacht mit den Sachen, sondern es bereichert und erweitert."

Gleichberechtigtes Digitaltheater 

Genauso sehe sie das bei der virtuellen Realität. Es mache viel Spaß zu erforschen, was man damit alles machen könne. Bisher gebe es nur wenige deutsche Theater, die sich damit auseinandersetzten, sagt Tina Lorenz. Auch wenn die Coronakrise eines Tages überwunden sei, wünscht sie sich ein Digitaltheater das gleichberechtigt sei neben Schauspiel, Ballett und Konzert.

(gem) 
 
  

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