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Länderreport | Beitrag vom 16.06.2021

Digitales Corona-ArchivKollektives Gedächtnis

Von Ludger Fittkau

Corona-Frei steht auf einer Schultafel. Die Stühle im Raum sind hochgestellt auf die Tische. (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)
Kinder werden sich später an das Homeschooling erinnern. Jeder hat ganz eigene Erinnerungen an die Corona-Zeit. (Symbolfoto) (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)

An die Coronazeit hat jeder ganz eigene Erinnerungen. Fehlendes Toilettenpapier, geschlossene Geschäfte und Kinder im Homeschooling. Die persönlichen digitalen Erinnerungen hält ein Online-Archiv für die Nachwelt fest - und jeder kann darin stöbern.

Zu Beginn der Coronapandemie gab es in Supermärkten kein Toilettenpapier mehr. Menschen machten Fotos von leeren Nudel- oder Mehlregalen.

Vor einem Jahr nahmen sich vier Wissenschaftler von den Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen vor, ein digitales Pandemiegedächtnis aufzubauen. Bürgerinnen und Bürger wurden aufgefordert, ihre Handyfotos, Tagebucheinträge oder Gedichte aus dem Corona-Alltag hochzuladen.

Digitale Alltagsdokumente

Mittlerweile wurden in diesem "Coronarchiv", einem Wortspiel aus Corona und Archiv, über 5000 Beiträge eingereicht. 70 Prozent dieser digitalen Alltagsdokumente sind Fotos, gefolgt von Texten und Audioaufnahmen. Darunter ist auch eine dystopisch anmutende Aufnahme eines Lautsprecherwagens der Münchner Feuerwehr. "Bleiben Sie zu Hause!", tönt es scheppernd aus dem Lautsprecher. "Der Gang zur Arbeit, zum Arzt oder zum Lebensmitteleinkauf ist weiterhin möglich."

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Christian Bunnenberg, Juniorprofessor für Didaktik Geschichte an der Uni Bochum, ist einer der Mitinitiatoren. Bunnenberg erzählt, die Wissenschaftler der drei Universitäten hätten das Archiv zu Beginn des ersten Lockdowns innerhalb von nur vier Tagen auf die Beine gestellt. Die erste Webseite wurde mittlerweile durch eine zweite abgelöst.

"Ich erinnere mich zum Beispiel auch an Audioaufnahmen vom Alexanderplatz in Berlin, wo man nur Vögel zwitschern hört. Und derjenige oder diejenige, die es hochgeladen hatte, schrieb dazu, so hätte sie das dort noch nie erlebt", sagt Bunnenberg.

Quellen von Kindern

Viele Beiträge stammen von Kindern und Jugendlichen aus einer gemeinsamen Aktion mit der Körber-Stiftung. Historiker Christian Bunnenberg sagt:

"Wir haben hier eine Gruppe, die sonst in der Geschichtsschreibung eher marginalisiert ist. Es gibt wenige Quellen von Kindern, sondern sehr viele Quellen über Kinder. Und jetzt haben wir hier in fast tausend Beiträgen völlig unterschiedliche Auseinandersetzungen mit dieser Zeit aus einer Kinderperspektive. Das ist auf jeden Fall ein Bestand, an dem sich Historikerinnen und Historiker in der Zukunft abarbeiten können."

Erinnerung hängt von Überlieferung ab

Im Video auf der Webseite des Archivs heißt es: "Irgendwann wird die Pandemie vorbei sein. Wie wir uns daran erinnern, hängt von der Überlieferung ab. Politik und Medien sind gut dokumentiert. Aber was ist mit unseren individuellen Erlebnissen und Erfahrungen?"

Dafür gibt es jetzt die Seite des Coronarchivs, die laut Aussage der Initiatoren eines der weltweit größten Archive mit digitalen Notizen aus der bisherigen Pandemie-Zeit ist.

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