Hörspiel, vom 04.12.2018

Dietmar Dath und Thomas WeberNie mehr warten

Im Frühjahr 1917 kehrt Lenin aus dem Exil nach Russland zurück. Die Revolution, die das Regime des Zaren gestürzt hat, genügt ihm nicht. Für ihn ist die «Februarrevolution» nur das Vorspiel einer gewaltigen Umwälzung hin zum Sozialismus.

Der Schriftsteller und Journalist Dietmar Dath (dpa/Picture Alliance/Erwin Elsner)
Der Schriftsteller und Journalist Dietmar Dath (dpa/Picture Alliance/Erwin Elsner)

A, B und C - eine Stimme für den Umsturz, eine dagegen und eine, die sich nicht entscheiden will.

Alle drei Standpunkte, die während des Dramas in Bewegung geraten, sind in einer Krise und wissen das: Stimme A will nie mehr warten, bis die Gelegenheit zum Versuch da ist, eine völlig neue Gesellschaftsgeschichte zu beginnen, Stimme B will nie mehr warten, bis endlich das friedliche und gesetzmäßige, ruhige und freie Leben beginnt, also die Zeit von Krieg und Aufstand vorbei ist, und Stimme C will nie mehr auf den Moment warten, an dem sich zeigt, welche der beiden anderen Haltungen die unbezweifelbar richtige ist.

Alle drei erleben die historische Situation »zwischen Februar und Oktober« 1917 als eine ungeheure Anstrengung, in der zwar alles auf eine Entscheidung hindrängt, die aber eben noch nicht gefallen ist. So wird die Gegenwart ständig von Rückblicken und Visionen heimgesucht.

Eine besondere, geheimnisvolle Rolle spielen Briefe Lenins an seine Geliebte Inessa Armand, deren verborgener zweiter Text zwischen den Zeilen sich im Drama »Nie mehr warten« als eine Art Song herausstellt.

Nie mehr warten
Ein Sprech-, Sing- und Musikdrama
Zur Russischen Revolution 1917
Von Dietmar Dath und Thomas Weber
Komposition: Thomas Weber
Regie: Iris Drögekamp und Thomas Weber
Mit Effie Rabsilber, Christian Redl, Susanne-Marie Wrage, Martin Rentzsch
Musik: Kammerflimmer Kollektief

Produktion SWR 2017
Länge: 49'00