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Tonart | Beitrag vom 04.07.2019

Dieter Bohlen: Dieter feat. BohlenMega-Album mega-alt

Jenni Zylka im Gespräch mit Martin Böttcher

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Dieter Bohlen mit Sonnenbrille (Imago / Artyom Geodakyan)
Dieter Bohlen (Imago / Artyom Geodakyan)

Er ist berühmt. Und berüchtigt: Dieter Bohlen, der mit "Modern Talking" startete, 1000 Edelmetall-Platten erhalten hat, Musiker wie Chris Norman produzierte und sich als Talent-Juror durch das Fernsehen motzte. Mit 65 inszeniert er wieder ein "neues" Album.

Dieter Bohlen ist im Musikgeschäft einmalig und erfolgreich. Sein Bankkonto bestätigt ihm das. Er hat alle Facetten ausgelotet, ist Musiker, Produzent und Werbegesicht. Im deutschen Fernsehen hat er sich als motzender Talentbeschimpfer einen Namen gemacht. Eigentlich hat er alles erreicht. 

Jenni Zylka, Journalistin, Schriftstellerin und Musikerin, vermutet, dass doch ein guter Teil Narzissmus dabei sei, wenn er sich jetzt wieder auf die Bühne stellt und auf Tour geht. Und das mit 65. Eine Tour brauche ein Album. Und das sei eben erschienen: "Dieter Bohlen: Dieter feat. Bohlen". Darunter steht in Großbuchstaben: "DAS MEGA ALBUM".

Doch so neu sei das alles gar nicht, stellt Zylka fest. "Es gibt keinen einzigen neuen Song. Es sind dafür 14 neue Fassungen von alten 'Modern Talking'- und auch 'Blue System'-Songs – das war ja die kurzfristige Band nach 'Modern Talking'. Und zwar sind die neuen Versionen gekennzeichnet. Sie heißen alle 'NEW DB VERSION'." DB scheine, so Zylka weiter, auch auf die Lautstärke-Einheit Dezibel abzuzielen. 

Zu viel versprochen

Zylka findet: "Die neuen Versionen sind nicht viel schlimmer als die Originale." Dabei singt Bohlen selbst und halte am Stil seiner 80er-Jahre-Prägung fest, samt seines unverkennbaren "Waschtisch-Englischs". Was im Original von seinem damaligen Gesangspartner Thomas Anders auf der tonalen Ebene gut abgeliefert worden sei, fehle nun in diesen Fassungen komplett. Stattdessen versuche er alles mit Pathos aufzufüllen, meint Zylka. Das funktioniere nicht. "Die Songs sind nicht gut gealtert." Es gebe nichts Neues an und in den Titeln. Was daran die Fans begeistern könne, sei ihr unklar, so Zylka weiter.

"Nicht alle 'Modern Talking'-Fans sind taub, auch wenn man das denken könnte. Wieso sollen die sich mau gesungene, überflüssige Versionen von meines Erachtens eh schon scheußlichen Songs, anhören?", fragt Zylka.

Perfekte Selbstinszenierung

Bohlen habe seine Marke erfolgreich ausgebaut. Zum Beispiel mit dem Battle "Capital Bra versus Dieter Bohlen". Damit würde er eine jüngere Generation erreichen. Auch sein Instagramaccount funktioniere hervorragend. Innerhalb eines Jahres habe er eine große Followerschaft erreicht – und zwar auf verschiedene Art und Weisen. "Man kann das super finden und ihm nacheifern", also das Haus, das Auto, die Frau und den Sommer posten. "Oder man findet ihn schlimm und überhöht sich über ihn. Klappt beides. Er provoziert einfach Reaktion. Und das ist gut für ihn." 

Auch die Ansprache an sein Publikum sei bei Bohlen speziell. Er vermittle immer eine angeblich persönliche Beziehung, indem er "liebe Freunde" schreibe oder sich verabschiede mit "Euer Dieter". Nebenbei haue er seine latent beleidigenden Sprüche heraus, für die er berühmt geworden ist. Die Angst vor dem Alter, vor dem Vergessenwerden, könne Bohlen damit trotzdem nicht ganz überspielen.

(cdr)

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