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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.12.2019

Die Zehner-Jahre und die bildende Kunst Tendenz zum Bekenntnis und zum Spektakel

Robert Kudielka im Gespräch mit Axel Rahmlow

Kunstwerk der italienischen documenta-Kuenstlerin Lara Favaretto, bestehnd aus Schrotteilen.  (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Spektakel von kurzer Dauer: "Momentary Monument IV" von Lara Favaretto bei der Documenta 2012. (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Die Kunst der Zehner-Jahre hat nicht viel Neues hervorgebracht – wie schon im Jahrzehnt zuvor, sagt der Kunstwissenschaftler Robert Kudielka. Zu dieser Krise trägt bei, dass die Künstler nur auf politische Botschaft und und Spektakel setzten.

Die bildende Kunst ist seit drei Jahrzehnten in der Krise, sagt Robert Kudielka, Kunstwissenschaftler und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Künste. Die künstlerischen Mittel, das Vokabular der bildnerischen Kunst, sei nicht mehr weiterentwickelt worden beklagt er. Es habe nicht sehr viel Neues oder Wichtiges gegeben. Stattdessen sei bildende Kunst kommentarsüchtig geworden:

"Die Inszenierung, sei es Gender, sei es die Migrationsproblematik, all das ist sehr stark in den Vordergrund getreten und hat dazu geführt, dass wir eine Art Bekenntniskunst bekommen haben. Aber es schafft keine bedeutenden Kunstwerke, Kunstwerke in denen für die Menschen etwas artikuliert wird, was zeitgenössisch ist, was sie so aber noch nicht gefunden, gefühlt haben und was wichtiger ist als die aktuellen Inhalte."

Diese Bekenntniskunst predige zu den Bekehrten, sie bestätige nur, was das Publikum wisse. Diese Inhalte sind nach Ansicht von Kudielka besser bei den Journalisten und in Debatten aufgehoben. 

Tendenz zum Spektakel

Kudielka kritisiert auch eine Tendenz zum Spektakel, etwa bei der Documenta in Kassel. Mit der Spektakularisierung verschwinde eine Dimension der Kunsterfahrung, die seit dem 17. Jahrhundert wichtig gewesen ist, eine "Langzeitwirkung bildender Kunst". Durch die Einmaligkeit des Spektakels werde sie aber zurückgedrängt. "Damit wird eine Wirkungsmöglichkeit der Kunst unterdrückt, die ganz entscheidend ist."

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