Das Feature, vom 21.09.2007, 00:00 Uhr

Die wundersame Geschichte eines Ost-Rockers, erzählt von ihm selbst

Von André Herzberg

Mutter mag keinen Gesang. Wenn sie bügelt, hört sie einer Frau vom Plattenspieler zu: Was spricht eigentlich gegen den Kommunismus, er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Sing, sagt meine Schwester ... Alles, was ein Rockmusiker braucht, kommt aus dem Westen. Händler, Geschäftsmann: dieses Bild vom Juden, mir fehlt der Sinn dafür. Mach aus deinem Namen eine Marke, bring uns zum Lachen! Ilja Richter: Licht aus, Spot an! Hans Rosenthal: Dalli, dalli! Wir singen seit 25 Jahren "kille kille Pankow". Dabei hätte ich gar nicht gewusst, was ein Jude ist und dass ich einer bin.

André Herzberg (Foto: katyotto.com)
André Herzberg (Foto: katyotto.com)

Putzi, Putzi, Putzilein, Tante Fofis Wellensittich sitzt im Käfig neben ihrem Sessel, während sie erzählt, ich will weg, hör dir das an, sagt Mutter. Da kommt er auf die Krankenstation, und wir müssen uns alle ausziehen, ein schöner Mann, die SS-Uniform steht ihm gut. Die alte Frau hat die blaue Nummer auf ihrem faltigen Arm, mich ekeln ihre roten Fingernägel, ich will sie mir nicht nackt vorstellen ...

Als Sänger der Gruppe Pankow war er ein Star. Rotzig, verletzlich, unangepasst. Zu erfolgreich, um aus dem Verkehr gezogen zu werden. Einer wie er häutet sich nicht. Andrè Herzberg schreibt und singt über sich selbst.

Produktion: Deutschlandfunk 2007

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