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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 03.07.2015

Die Wissenschaft im Talmud"Man muss wissen, wie die Welt funktioniert"

Von Yael Kornblum

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Ein Buch mit hebräischen Schriftzeichen in einer Talmud-Hochschule (Tobias Felber / dpa)
Buch mit hebräischen Schriftzeichen in einer Talmud-Hochschule (Tobias Felber / dpa)

Der Talmud ist eines der wichtigsten Werke des Judentums − das orthodoxe und das liberale Judentum deuten ihn unterschiedlich. Für die talmudischen Gelehrten war das Verständnis von der Astronomie, Botanik oder auch der Zoologie von großer Bedeutung.

Eine der wichtigsten Aufgaben der talmudischen Gelehrten war die Errichtung eines Kalenders. Diese hing wesentlich vom Verständnis der Astronomie ab. So konnte Samuel Bar Abba durch seine minutiöse Beobachtung des Neumondes den Kalender und die Feiertage viele Jahre im Voraus berechnen und sogar Schaltjahre berücksichtigen.

Die genaue Beschäftigung mit den Reinheitsgeboten führte sie zum Studium des weiblichen Zyklus, des Geburtsvorganges, der Menstruation und der Fehlgeburt. So konnten sie Menschen kategorisieren und bestimmen, welche religiösen Regeln für sie galten - oder eben auch nicht. So beschäftigen sich die Rabbinen im Traktat Mischna Bikkurim beispielsweise mit der Frage, ob ein Zwitter heiraten darf, wenn ja welches Geschlecht und welche Gebote er einzuhalten habe.

Müssen die Mütter von Zwittern nach der Geburt die Reinheitsgebote zur Geburt eines Jungen oder eines Mädchens einhalten? Dass die Gelehrten offenbar naturwissenschaftlichen Hunger hatten, beweist folgende Begebenheit: Die Schüler des Rabbi Jischmael sezierten den Körper einer verstorbenen Prostituierten, um zu verifizieren, ob der menschliche Körper tatsächlich 248 Gelenke und Glieder besäße, wie in der Schrift behauptet.

Welche Frucht wächst auf einem Baum, welche direkt aus der Erde?

Die Klassifizierung der Früchte und Pflanzen liest sich wie eine babylonische Botanik und diente der Einteilung in verschiedene Kategorien von Segenssprüchen: Welche Frucht wächst auf einem Baum, welche direkt aus der Erde? Welche Pflanzen duften zum Bedecken der Sukkah verwendet werden und wo wuchsen diese? An Shavuot sollen Juden die ersten Früchte zum Tempel bringen, doch was sind erste Früchte? Alle diese Fragen und noch viele mehr konnten nur mit detailliertem botanischem Wissen beantwortet werden.

Schließlich waren die talmudischen Weisen auch große Kenner der Zoologie. Was konnte man zum Beispiel tun, wenn der Himmel so bewölkt war, dass meine keine drei Sterne beobachten konnte? Sie fanden heraus, dass die Raben erst nach Einbruch der Dunkelheit von den Feldern fliegen und man alternativ auch dieses Phänomen zur Bestimmung des Shabbatausganges nutzen konnte.

Der Talmud berichtet aber auch von Weisen, die tierisches Verhalten losgelöst vom halachischen Nutzen studierten. Rabbi Zera und Rabbi Juda unterhalten sich beispielsweise über den Sinn der verschiedenen Schwanzlängen bei Kamel und Ochse. Während das Kamel sich in den Dornen, die es frisst, mit einem langen Schwanz verheddern würde, benötigt ein Ochse einen langen Schwanz, um die Mücken von seinem Körper zu verscheuchen. Diese Entdeckung hat nichts mit der Torah zu tun, sondern konnte nur durch Beobachtung, Hypothese und Bestätigung gemacht werden, also mit wissenschaftlichem Verhalten.

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