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Debüt / Archiv | Beitrag vom 17.01.2012

Die Wiederentdeckung der Flöte

Jacques Ibert: Konzert für Flöte und Orchester (1934)

Von Björn Gottstein

Flötenspieler (David Ausserhofer)
Flötenspieler (David Ausserhofer)

Die Querflöte musste man im 20. Jahrhundert regelrecht neu entdecken, denn im 19. Jahrhundert, in dem die Komponisten vor allem Ausdruck, Gefühl, Leidenschaft und Pathos suchten, waren kaum Flötenkonzerte entstanden.

Die sachliche Klangfarbe und die gegenüber den Streichinstrumenten geringeren Modulationsmöglichkeiten haben viele Komponisten der musikalischen Romantik davon abgehalten, ein Flötenkonzert zu schreiben. Sieht man von zwei Gelegenheitswerken von Camille Saint-Saëns einmal ab, hat im 19. Jahrhundert kein Komponist von Rang für Flöte und Orchester komponiert.

Gleichzeitig erstaunt es nicht, dass die Flöte im 20. Jahrhundert eine Renaissance erlebte. Mit ästhetischen Strömungen wie der Neuen Sachlichkeit und dem Neoklassizismus ging auch ein anderes Klangideal einher, für das die Flöte von großer Bedeutung war. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts komponierten nun u.a. Ferruccio Busoni, Gustav Holst, André Jolivet, Frank Martin und Bohuslav Martinů Werke für Flöte und Orchester. Und eben: Jacques Ibert.

Ibert schrieb sein Flötenkonzert im Jahre 1934. Wie so oft hängt die Entstehung des Werkes mit einem außergewöhnlichen Musiker zusammen. Hier war es Marcel Moyse, der als Solist und Lehrer wesentlich zur Renaissance der Flöte in Frankreich und den USA beitrug. Ibert widmete ihm sein Konzert, und Moyse brachte es am 24. Februar 1934 in Paris auch zur Uraufführung.

Ibert selbst war damals nicht zugegen. Er saß in einer Hotellobby in Marseille und lauschte der Uraufführung am Radio, "lächelnd", wie ein anwesender Journalist die Situation beschrieb, "als ob er die Musik gar nicht kenne und sie gerade jetzt erst voller Vergnügen entdeckte".

Als Komponist stand Ibert der Ästhetik der Groupe de six um Arthur Honegger und Darius Milhaud nahe. Wie die Groupe de six hatte sich auch Ibert von der musikalischen Romantik Wagnerscher Prägung und vom musikalischen Impressionismus eines Claude Debussy losgesagt und liebäugelte mit dem Neoklassizismus.

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