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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 24.10.2013

Die Wege und Irrwege des Jackson Pollock

Bülent Gündüz: "Jackson Pollock. Die Biografie", Parthas Verlag, Berlin 2013, 483 Seiten

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Jackson Pollock vor seinem Werk "Self portrait" (picture alliance / dpa / UPI)
Jackson Pollock vor seinem Werk "Self portrait" (picture alliance / dpa / UPI)

Viel ist über Jackson Pollock geschrieben worden. Neues über den Maler hat nun auch Bülent Gündüz für seine Biografie nicht herausbekommen. Aber: Gündüz Dokumentation glänzt mit Detailreichtum. Und er bettet all die Pollock-Legenden in eine größere Erzählung ein.

Mit dieser Reaktion hatte die zweifelnde Peggy Guggenheim nicht gerechnet. Als die Galeristin Piet Mondrian 1943 ein Werk Jackson Pollocks zeigte - sie selbst fand es "ganz schön furchtbar" - geriet der Künstler ins Schwärmen über den jungen Kollegen: "Mir ist, als könnte das die aufregendste Malerei sein, die ich seit langer Zeit gesehen habe, hier und in Europa."

60 Jahre später ist dieses Gespräch längst Legende. Es gehört ebenso zum Mythos Jackson Pollock wie die sagenhaften Erzählungen, die sich Zeit seines Lebens, vor allem aber nach dem Unfalltod 1956, um ihn und seine Kunst gerankt haben; und es zum Teil bis heute tun. Größenwahn, Trunksucht, Depression, Rowdytum, Genie, Wahnsinn oder Cowboygehabe sind etwa die Ingredienzien der Pollock-Saga. Dass sein 2006 für 140 Millionen US-Dollar verkauftes Bild "Number 5" zudem das teuerste Gemälde der Welt ist, ist da nur noch eine weitere hübsche Ranke im Geflecht.

Dieses will Bülent Gündüz nun lichten. Zwar nicht als erster, doch als erster deutscher Biograf Jackson Pollocks versucht der Kunstjournalist die ganze Geschichte des 1912 in Cody (Wyoming) geborenen Künstlers zu erzählen; ohne Fokussierung auf die legendenfördernden Lebensmomente.

Auf fast 500 Seiten werden Pollocks Herkunft, Familie, Werdegang, Prägungen, sowie sein künstlerisches Umfeld und der zeitgeschichtliche Kontext ebenso beleuchtet wie die schwierige Persönlichkeit Pollocks, seine Alkoholsucht und die zum Teil komplizierten Beziehungen des Künstlers zu Mutter, Brüdern, Freunden und, natürlich, zu seiner Frau, der Malerin Lee Krasner. Und auch das Werk, von den Anfängen bis hin zu den getröpfelten Bildern, den so genannten Drippings, nimmt Gündüz in den Blick.

Vieles gelingt dem Autor in dieser chronologischen und auf Originaldokumenten und umfangreiche Sekundärliteratur gestützten Biografie. Überzeugend etwa vermag Gündüz Pollocks künstlerisches Universum abzustecken, ob es um den Einfluss von Lehrern oder Malern wie Thomas Hart Benton, David Alfaro Siqueiros oder Hans Hofmann geht oder um Prägungen wie durch die Muralisten in Mexiko oder indianische Kunst.

Auch die Kunstszene und ihre Protagonisten stellt Gündüz umfänglich dar: von der ersten Armory Show 1913 in New York bis zum Kampf der Realisten gegen die Abstrakten, von Peggy Guggenheim bis Alfred Barr, von staatlichen Förderprogrammen bis zu steinreichen Sammlern.

Trotz der vielen Exkurse verliert der Autor seinen Protagonisten dabei nie aus den Augen. Er schildert das Selbstzerstörerische in Pollocks Charakter und auch die Versuche, davon zu genesen. Am Ende hatte nichts geholfen, nicht der Erfolg, nicht die vielen Therapien und auch nicht der Beistand von Freunden und Krasner, die ihre eigene Kunst für die ihres Mannes aufgegeben hatte.

Neues vermag diese Biografie zwar nicht zu erzählen, und mitunter gerät sie sehr kleinteilig, doch liegt gerade im Detailreichtum auch ihre Stärke. Nicht zuletzt deshalb, weil sie die Pollock-Legenden in eine größere Erzählung einbettet und damit relativiert.

Besprochen von Eva Hepper

Bülent Gündüz: Jackson Pollock. Die Biografie
Parthas Verlag, Berlin 2013
483 Seiten, 29,80 Euro

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