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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 06.07.2018

Die vielen Identitäten des Essad BeyJude und Muslim, Orientale und Europäer

Von Olga Hochweis

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Eine Gedenktafel für den Schriftsteller Essad Bey alias Kurban Said in der Fasanenstraße (imago/Stefan Zeitz)
Eine Gedenktafel in der Fasanenstraße in Berlin erinnert an Essad Bey. (imago/Stefan Zeitz)

"Ich bin viele", hätte er von sich behaupten können: Lew Nussimbaum, als russischer Jude zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Aserbaidschan aufgewachsen, konvertierte mit 16 Jahren im Berliner Exil zum Islam und nannte sich fortan Essad Bey.

Seinem Lebensthema, dem Kaukasus, widmete er sich in zahlreichen Romanen, Sachbüchern und Artikeln für die Literarische Welt. Nicht selten sorgte er in der Weimarer Republik für Schlagzeilen: Sein Debüt "Öl und Blut im Orient" wurde 1930 von unverhohlener antisemitischer Hetze begleitet. Dennoch sympathisierte Bey als erbitterter Gegner des Bolschewismus mit dem Faschismus.

1933 verließ er Deutschland und starb 1942 mit nur 36 Jahren verarmt im italienischen Positano. Fünf Jahre zuvor veröffentlichte Bey unter dem Pseudonym Kurban Said "Ali und Nino". Der Roman erzählt von einer Liebe zwischen einer georgischen Christin und einem muslimischen Aserbaidschaner am Vorabend der russischen Revolution. Das immer wieder aufgelegte und verfilmte Buch gilt nicht nur in Aserbaidschan, das am 28. Mai den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiert, als Klassiker.

Das Manuskript zur Sendung finden Sie hier zum Download.

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