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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.09.2016

"Die Vegetarierin" von Han KangVon der Frau, die glaubte, eine Pflanze zu sein

Han Kang im Gespräch mit Frank Meyer

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Die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang (afp / Jung Yeon-Je )
Die Autorin Han Kang bekam 2016 den renommierten britischen Literaturpreis "Man Booker International Prize 2016" verliehen und erntet hymnische Kritiken für ihren Roman "Die Vegetarierin" (afp / Jung Yeon-Je )

Die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang freut sich über den internationalen Erfolg ihres Romans "Die Vegetarierin", der schon vor neun Jahren in ihrer Heimat erschienen war. Sie geht nun in Deutschland auf Lesereise.

Das Hauptmotiv des Romans - eine Frau, die von einem Tag auf den anderen aufhört, Fleisch zu essen und glaubt, zur Pflanze zu werden - habe sie bereits 1997 in einer Kurzgeschichte entwickelt, sagte die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang im Deutschlandradio Kultur.

In dieser Kurzgeschichte geht es allerdings um eine Frau, die tatsächlich zur Pflanze wird. Ihr Mann topft sie ein, gießt und pflegt sie, aber die Pflanze verwelkt dennoch auf dem Balkon, berichtete die Autorin: "Er steht am Fenster und schaut auf den Blumentopf, wo seine Frau ist, und fragt sich, ob sie sie im nächsten Jahr wohl wieder blühen oder weiter wachsen wird."

Für "Die Vegetarierin" nahm Han Kang diese Idee wieder auf - aber "auf dunklere und viel heftigere Art und Weise, ohne die übernatürlichen Elemente."

Die südkoreanische Autorin Han Kang vor dem Funkhaus von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Lesart)Die südkoreanische Autorin Han Kang (Deutschlandradio / Lesart)

Alle Fleischlichkeit hinter sich lassen

Hier versucht die Protagonistin nun, "alle Fleischlichkeit" hinter sich zu lassen. Sie hört erst auf, Fleisch zu essen, und dann alles andere, bis sie nur noch Wasser trinkt.

Die Geschichte hat jede Menge Schichten. Es gehe um die "Möglichkeit und Unmöglichkeit der Unschuld", so die Autorin, um das Thema geistige Gesundheit und die Frage, wo der Wahnsinn beginnt. Es gehe um "Gewalt und unsere dunklen Seiten". Und darum, "was es bedeutet, Mensch zu sein".

Nicht nur Anklage gegen das Patriachat

Auf diese Vielschichtigkeit ihres Buches legt Han Kang großen Wert:

"Ich hoffe sehr, dass das Buch nicht zu einseitig verstanden wird als Anklage gegen das Patriachat oder die koreanische Gesellschaft an sich", betonte sie.

Han Kang wurde in Gwangju in Südkorea geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihre Arbeit wurde sie bereits mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, dem Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul. (ahe)

Han Kang: Die Vegetarierin
Aufbau Verlag, Berlin 2016
190 Seiten, 18,95 Euro

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