Das Feature, vom 09.02.2021, 19:15 Uhr

Die ungenehmigte Partei hinter Alexei Nawalny„Russland der Zukunft“

Bei Jekaterinburg soll eine riesige Mülldeponie entstehen - ausgerechnet an einer Stelle, wo Beryll und Smaragde reichlich vorkommen. Ein dunkles Geschäft? - Einwohner protestieren, die Behörden schauen weg. Aber ein Team von Alexei Nawalnys „Stiftung für Korruptionsbekämpfung“ geht dem Fall nach.

29. September, 2019: Alexej Nawalny während einer Kundgebung zur Unterstützung politischer Gefangener in Moskau.  (picture alliance / AA | Sefa Karacan)
Alexej Nawalny während einer Kundgebung zur Unterstützung politischer Gefangener 2019 in Moskau (picture alliance / AA | Sefa Karacan)

Über 200 Festangestellte arbeiten für die Stiftung in 40 Städten von Kaliningrad bis Wladiwostok. Sie träumen von einem Land ohne Staatsmafia, Korruption, Krieg, Gewalt und Armut - und ohne Putin. Es ist der Kern von Nawalnys Partei „Russland der Zukunft“, die ohne Angabe von Gründen seit Jahren keine Zulassung erhält.

Jedes Regionalbüro betreibt investigativen Journalismus, untersucht große und kleine Korruptionsfälle. Fast täglich erscheinen Berichte, in denen lokale Machthaber kritisiert werden – als Text in freien Internetmedien oder als Video bei Youtube. Auch als Nawalny nach dem Giftanschlag in Deutschland medizinisch behandelt wird, funktioniert das Netzwerk. Es finanziert sich ausschließlich aus Spenden.  

Seit 2009 versucht Nawalny mit seiner Bewegung die Herrschaft der Regierungspartei "Einiges Russland" auf allen Ebenen zu brechen. Erfolgversprechend war zuletzt seine Strategie des "smart voting", bei der sich die zersplitterte Opposition jeweils auf den aussichtsreichsten Kandidaten einigt.

Putins Regime setzt dagegen die Staatsgewalt. Immer wieder werden Nawalny und seine Mitarbeiter mit Geld- und Gefängnisstrafen überzogen, die vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wiederholt aufgehoben wurden.

Der Autor besuchte die Büros von Nawalny in Perm, Jekaterinburg, Moskau und St. Petersburg und musste feststellen: Nawalnys junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen in den politischen Kampf und fürchten sich vor nichts.

"Russland der Zukunft"
Die ungenehmigte Partei hinter Alexei Nawalny
Von Mario Bandi

Regie: der Autor
Es sprachen: Margarita Breitkreiz, Gregor Höppner, Boris Aljinovic, Marlon Kittel, Stefan Kaminski, Philipp Engelhardt, Monika Oschek
Ton: Jean Szymczak
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Deutschlandfunk 2021

Mario Bandi, geb. 1963, St. Petersburger und Wahlberliner, Theaterregisseur und Filmemacher. Er ist seit 20 Jahren freier Radiofeature-Autor.

"Russland der Zukunft". Die ungenehmigte Partei hinter Alexei Nawalny (PDF)

"Russland der Zukunft". Die ungenehmigte Partei hinter Alexei Nawalny (Textversion)

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