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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.08.2018

Die "taz" und die ZeitungskriseHandys sind "viel smarter, schneller, lustiger"

Michael Haller im Gespräch mit Hans-Joachim Wiese

Gibt es die "taz" bald nicht mehr gedruckt, auf Papier? – Darüber wird zumindest spekuliert und diskutiert.

Könnte es die "taz" bald nur noch digital geben? Darüber hat zumindest deren Mitbegründer Karl-Heinz Ruch nachgedacht. Auch Medienwissenschaftler Michael Haller prognostiziert den Print-Medien eine düstere Zukunft: Selbst 40-Jährige würden kaum mehr Zeitung lesen.

Der "taz"-Mitbegründer Karl-Heinz Ruch denkt in einer Info für die Mitglieder der taz-Genossenschaft laut über ein Ende der gedruckten Ausgabe der linken Tagezeitung nach.

Der Grund: Wegbrechende Einnahmen durch immer weniger Print-Abonnements, die durch E-Papers nicht kompensiert werden können. Laut Medienanalyse von 2016 hat die "taz" eine verkaufte Auflage von knapp 52.000 gedruckten Zeitungen und etwa 42.000 Print-Abonnements.

Mit der sinkenden Auflage steht die "taz" zwar nicht allein auf weiter Flur. Auch andere überregionale Zeitungen kämpfen mit Auflagenverlusten.

Regionalzeitungen stehen etwas besser da

Doch gerade die "taz" sei in einer besonders schwierigen wirtschaftlichen Lage, sagt der Medienwissenschaftler Michael Haller. "Die 'taz' hat eine vergleichsweise kleine Auflage und ist eine überregionale Zeitung, die deutschlandweit vertrieben werden muss." Und je kleiner die Auflage und größer das Vertriebsgebiet, desto teurer werde es letztendlich, jede einzelne Zeitung zu dem jeweiligen Abonnenten zu bringen.

Bei Regionalzeitungen gebe es dagegen beispielsweise in einem "relativ dichten Gebiet eine relativ hohe Reichweite". Aber auch hier gelte die gleiche Tendenz. "Die Zeitungen nehmen Jahr für Jahr zwischen zwei und fünf Prozent in ihrer Auflage ab, und das ist in erster Linie die Abo-Auflage." Bei den Regionalzeitungen sei es vor allem noch die "etablierte Erwachsenen-Bevölkerung der über 45-Jährigen, die bei ihrer Zeitung bleiben wollen, weil sie auch das Lesen einer Zeitung wichtig und gut finden".

"Kulturtechnik des Zeitungslesens geht verloren"

Das ändere sich allerdings heute: Schon die 30- bis 40-Jährigen lesen "kaum noch Zeitung". Deren Kinder würden daher kaum noch "diese Kulturtechnik Zeitung" durch Anschauen, "über die Sozialisation" erlernen.

Stattdessen würden sie damit groß werden, "dass die ganze Welt mit dem Handy rumläuft", das sie letztendlich "viel smarter, schneller, lustiger, eleganter" finden. Es sei aber letztendlich ziemlich schwer, sich "über die Angebote im Web wirklich zu informieren, weil man andauernd zugeschüttet wird mit Angeboten beliebiger Art".

Zuverlässige Informationen zu erkennen, sei da ziemlich schwer, so Haller. "Und deshalb haben viel junge Menschen heute auch entsprechende Probleme, sich in der Welt zu orientieren und zurechtzufinden."

(lk)


Das Hintergründige wohl eher noch auf Papier
Und Michael Angele, Vize-Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Freitag", kommentiert im Interview die Ankündigung der "taz"-Gründer mit den Worten: "Das Tagesaktuelle ist für die Kollegen der Tageszeitung wohl verloren, aber damit ist die Tageszeitung an sich nicht verloren." Denn für das Hintergründige wird es noch lange Leser geben, so der Zeitungsmacher im "Fazit".
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