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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 05.06.2009

Die Stones chronologisch

Ernst Hofacker: "Rolling Stones - Confessin’ The Blues", Bosworth Music GmbH 2009, 360 Seiten

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Älter und doch kein bisschen leise: Die Stones mit Martin Scorsese, der einen Film über sie gemacht hat, auf der Berlinale 2008. (AP)
Älter und doch kein bisschen leise: Die Stones mit Martin Scorsese, der einen Film über sie gemacht hat, auf der Berlinale 2008. (AP)

Das neue Buch "Rolling Stones: Confessin’ The Blues" bietet einen umfassenden Überblick über das mehr als 40-jährige Schaffen der legendären Rockband. Autor Ernst Hofacker stellt jedes Album und jeden Song in der Abfolge des Erscheinens vor und berücksichtigt auch DVDs und Kompilationen.

Kaum eine andere Band der Rockgeschichte ist zwischen Buchdeckeln so ausführlich behandelt worden wie die Rolling Stones. Und nun noch ein weiteres Buch über die Stones? - Autor Ernst Hofacker hat deshalb für seine Biografie einen anderen Weg gewählt: Er beschreibt die Geschichte der Band aus ihrer Musik heraus.

Nicht weniger als 358 Songs haben die Musiker um Mick Jagger und Keith Richards im Verlaufe von fast 50 Karrierejahren geschrieben. Hofacker hat sich an die herkulische Arbeit gemacht, jeden einzelnen von ihnen zu besprechen. Zu jedem Album liefert Hofacker einen einführenden Essay, der über die Musik hinaus wichtige Daten zum Zeitgeschehen, dem emotionalen Zustand der Band sowie zu aktuellen Trends einfängt, die für die Entstehung eines bestimmten Albums eine Rolle gespielt haben. Hofacker geht chronologisch vor, beginnend mit der ersten Single "Come on" aus dem Jahr 1963 bis zu den letzten Aufnahmen zum Album "A Bigger Bang" 2005. Stones-Komplettisten kommen bei diesem Band auf ihre Kosten: Sämtliche Livealben, Filme, DVDs und Kompilationen werden ebenfalls ausführlich berücksichtigt.

Die chronologische Vorgehensweise von Hofacker hat Vorteile: Spekulationen, Fantasien, Klatsch und Tratsch werden weitgehend vermieden. Dadurch kommt ein detailliertes und vor allem zutreffendes Bild der Band zustande. Hofacker outet sich zwar als Fan, unterlässt es aber, in umnebelter Begeisterung zu schreiben. Hier wird keine Götzenanbetung betrieben. Kritik findet statt - nicht nur zur Musik aus den schwachen Phasen der Rolling Stones, sondern auch zu Alben, die von manchen Fans als "unantastbar" gehalten werden.

Dennoch hat der Band einen entscheidenden Mangel. Man vermisst Fotos von LPs und Singles. Ein unangenehmes Lesen, wenn man sich nur vorstellen kann, was gerade beschrieben wird. Außerdem hätte sich hier die Möglichkeit geboten, die verwirrende Coverpolitik in den 60ern und 70ern einmal genauer zu dokumentieren.

Besprochen von Oliver Schwesig

Ernst Hofacker: Rolling Stones - Confessin’ The Blues - Die Musik der Rolling Stones 1964 - 2008
Bosworth Music GmbH, 2009
360 Seiten, 19,95 Euro

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