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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 25.03.2018

Die späte Kammermusik von Claude DebussySchwanengesänge in Sonatenform

Gast: Michael Stegemann, Musikwissenschaftler; Moderation: Olaf Wilhelmer

Zeitgenössische Aufnahme des Komponisten Claude Debussy (picture-alliance / dpa)
Freiheit und Klarheit: Der Komponist Claude Debussy (picture-alliance / dpa)

Sechs sollten es werden, die Hälfte davon rang er dem Tod ab: Mit drei Sonaten beschloss Claude Debussy sein Werkverzeichnis, Fazit eines lebenslangen Ringens um klangliche Feinheiten eines "französischen" Tons.

Dass Claude Debussy seine späten Sonaten, die als Zyklus von sechs sehr unterschiedlichen Kammermusikwerken geplant waren, mit "musicien français" unterzeichnete, irritiert: Warum hob der vor einhundert Jahren, am 25. März 1918 gestorbene Komponist, das Französische seines Musikerdaseins so hervor? Die Antwort liegt einerseits in der nationalistischen Stimmung, die rund um den Ersten Weltkrieg nicht nur von Frankreichs größten Künstlern Besitz ergriff. Andererseits ist der Versuch, die völlige Freiheit der Form mit größtmöglicher "clarté" zu verbinden, nicht nur in musikalischer Hinsicht ein zutiefst französisches Projekt. Claude Debussy wollte damit an Sonaten von François Couperin und Jean-Philippe Rameau anknüpfen, mithin an Meisterwerke des französischen Barocks.

Zwischen Groteske und Melancholie

Allein die Idee, sechs Sonaten in einer Werkgruppe zusammenzufassen, ist der Barockmusik verpflichtet – was auch aus deutscher Perspektive nachvollziehbar ist, wenn man an die vielen Sechserzyklen in Johann Sebastian Bachs Werk denkt, etwa die unterschiedlich besetzten "Brandenburgischen Konzerte". Eine ähnliche Vielfalt schwebte auch Debussy vor: Im Sommer 1915 entstand zunächst die Sonate für Violoncello und Klavier, ein frei rezitierendes, dann mehr und mehr grotesk-ironisches Werk von großer Knappheit und Verdichtung. Direkt anschließend komponierte Debussy die apart besetzte Sonate für Flöte, Viola und Harfe, die verführerisch "französisch" klingt, aber eher nach antikisierender Abgeklärtheit sucht. Schließlich, im Winter 1916-17, schrieb Debussy eine Sonate für Violine und Klavier: Tiefe Melancholie, aber auch Freude an der Virtuosität und Auseinandersetzung mit dem entstehenden Jazz prägen dieses musikalische Vermächtnis.

Zwischen den beiden Weltkriegen, nur wenige Jahre nach Debussys Tod, entstanden bereits die ersten Aufnahmen der Sonaten – oft noch von Musikern, die dem Komponisten auch persönlich nahegestanden hatten. Sie ebneten diesen Werken den Weg ins Hauptrepertoire neuerer Kammermusik, die hundert Jahre nach ihrer Entstehung weder an Frische noch an geheimnisvoller Aura eingebüßt hat. Aus der großen Zahl vorhandener, oft prominent besetzter Aufnahmen, stellt der Publizist und Musikwissenschaftler Michael Stegemann einen repräsentativen Querschnitt vor.

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