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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.10.2018

Die Oper "Una cosa rara" in Regensburg"Macht irrsinnig viel Spaß!"

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Martin y Solers „Una cosa rara“ (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)
Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Markus Lüpertz verantwortlich. (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)

Martin y Soler war ein Zeitgenosse von Mozart. Obwohl seine Oper „Una cosa rara“ in Wien sogar beliebter war als Mozarts „Figaro“, ist sie nahezu vergessen. In Regensburg wurde sie nun aufgeführt. Bühnenbild und Kostüme sind von Markus Lüpertz.

Die Musikgeschichte macht manchmal ziemliche Wendungen. Da gab es zum Beispiel den spanischen Komponisten Martin y Soler. Er war ein Zeitgenosse von Mozart, seine Oper "Una cosa rara" war in Wien sogar beliebter als "Die Hochzeit des Figaro". Bekanntlich hat die Musikgeschichte dieses Urteil korrigiert.

Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)
Die Musik von Martin y Soler ist nahezu vergessen. 19 Opern hat er komponiert, darunter "Una cosa rara". Das Theater Regensburg hat sich dieser Komödie angenommen und sogar den Maler Markus Lüpertz für Bühnenbild und Kostüme gewinnen können. Unser Kritiker Jörn Florian Fuchs war bei der Premiere.

Worum geht es in dieser Komödie?

Ganz klassisch geht es um ein Liebespaar (Lilla und Lubino), das erst nach einigen Verwicklungen zueinander findet. Und natürlich spielt auch eine Königin (Isabella) mit, die diverse Probleme mit dem eigenem Leben hat und sich mit Machtfragen auseinandersetzen muss. Lilla wird von diversen Herren umschwärmt. Und nach allerlei Intrigen, Verkleidungen und Verwechslungen gibt es ein Happy End.

Musikalische Überraschung

Für unseren Theaterkritiker Jörn Florian Fuchs war dieser Opernabend eine Überraschung. Er habe im Internet recherchiert und in Aufnahmen reingehört, die allesamt doch sehr dröge und farblos gewesen seien. Dass diese Inszenierung musikalisch so stark gewesen sei, "liegt im Wesentlichen an Christoph Spering", dem musikalischen Leiter.

Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)

"Musik, die manchmal an Mozart erinnert", erklärt Fuchs. "Allerdings hat y Soler nicht von Mozart geklaut, sondern es ist andersrum: Mozart hat aus dieser Oper 'Una cosa rara' etwas übernommen."* Die "Musik ist sehr, sehr stark, auf den Punkt dirigiert, sehr abwechslungsreich, auch die Rezitative sind sehr, sehr stark durchgestaltet. Da hängt nichts durch und klappert so à la Nähmaschine vor sich hin, da ist wirklich in jedem Moment etwas interpretiert", so Fuchs weiter.

Gelungenes Bühnenbild von Lüpertz

Zum Bühnenbild von Markus Lüpertz erklärt Fuchs: Bildende Künstler auf der Opernbühne seien eine "Leidensgeschichte, die fast nie funktioniert. Das ist heute Abend nun ganz anders, denn Lüpertz lässt sich völlig auf dieses Stück ein und will nicht sich ins Zentrum rücken."

"Ganz punktgenau" habe er sein Bühnenbild "auf die Inszenierung von Andreas Baesler zugeschnitten. Wir haben ein buntes Bühnenbild mit einem Wald, mit großen Figuren, die herrlich verwachsen aussehen, die hin und her geschoben werden, es gibt ein kleines verwunschenes Häuschen, viel Einsatz der Drehbühne und unglaublich viel Komik. Viel Witz, Humor, auch in den Kostümen. Macht irrsinnig viel Spaß!"

Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)Martin y Solers "Una cosa rara" (Fotograf: Martin Sigmund / Theater Regensburg)

Dies sei einer "der ganz seltenen Momente, wo diese Verbindung bildende Kunst und Oper wirklich 100 % gelungen ist". Unser Theaterkritiker empfiehlt, sich auf den Weg nach Regensburg zu machen.

*An dieser Stelle haben wir eine redaktionelle Korrektur vorgenommen. 

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