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Breitband | Beitrag vom 30.03.2019

Die Neue Rechte im InternetDebatten beeinflussen mit Fake Accounts

Christian Fuchs im Gespräch mit Katja Bigalke und Martin Böttcher

Schriftzug Reconquista Germanica (imago stock&people, 79992594)
"Militärisch organisierte Trollarmee" - "Reconquista Germanica" organisiert sich auf der Gaming-Plattform Discord. (imago stock&people, 79992594)

Gegner attackieren, Bewertungen manipulieren: Mit Fake-Profilen beeinflusst die Neue Rechte den öffentlichen Diskurs, sagt Journalist Christian Fuchs. Wenige Menschen mit vielen Accounts erweckten den Eindruck, die Bewegung sei riesig.

Der Attentäter von Christchurch soll dem österreichischen Identitären Martin Sellner hohe Geldbeträge überwiesen haben – das ist nur ein Beispiel der weltweiten Vernetzung der rechten und rechtsextremen Szene. Zum Netzwerk der Neuen Rechten in Deutschland haben die Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff ein Buch und eine Website veröffentlicht. Dort beschreiben sie auch, wie die Neue Rechte das Internet nutzt, um sich zu organisieren, ihre Kritiker mundtot zu machen und die Diskursverschiebung nach rechts voranzutreiben.

Christian Fuchs unterscheidet zwei unterschiedliche Formen der Internet-Aktivitäten der Neuen Rechten: die öffentlichen, also ihre eigenen Medien wie zum Beispiel Journalistenwatch oder das Compact-Magazin, und die verborgenen. In geschlossenen Gruppen auf Gaming-Plattformen wie Steam oder Discord, aber auch über private Messenger, planen sie Veranstaltungen und Guerilla-Aktionen.

Militärisch organisierte Trollarmeen

Eine wirkmächtige Gruppe ist die "Reconquista Germanica", ein privater Kanal im Forum der Gamer-Plattform Discord: "Sie organisieren Shitstorms gegen ihre Gegner, fluten die sozialen Netzwerke mit beleidigenden Bildern oder Hashtags und sammeln privateste Informationen über ihre Gegner in geheimen Internet-Kollektiven", schreiben Fuchs und Middelhoff in ihrem Buch.

Mitglieder der Gruppe sind unter anderem Identitäre, AfD-Politiker, Nachwuchspolitiker und Publizisten der rechten Szene. Es seien bis zu 8000 Personen aktiv. "Diese Trollarmeen sind militärisch organisiert. Die haben einen Oberbefehlshaber, da gibt es Tagesbefehle. Sie selbst sehen sich als militärischer Arm der AfD im Internet und so arbeiten sie auch", sagt Fuchs.

Massenhafte Posts von Wenigen mit vielen Fake-Accounts

Das Ziel ist, den Diskurs zu beeinflussen. Das konnte man zum Beispiel bei der Bundestagswahl sehen: Sieben von den zwanzig meistgeteilten Hashtags Wahl stammen aus der Gruppe. Beim Kanzlerduell wurde der Hashtag "#Verräterduell" in die Twittercharts gebracht, indem mit sehr vielen Fake-Accouts der Begriff gepostet wurde.

Die vielen Tweets seien von nur rund hundert Personen erstellt worden, wurden aber aufgrund ihrer puren Masse in die Trends des sozialen Netzwerks aufgenommen. "Damit schafft man es, die Menschen über den Hashtag auf die eigenen Inhalte, auf die eigenen Seiten zu locken", erklärt Fuchs.

Das sei das Wirkprinzip dieser Szene: "Sehr wenige Menschen, die verstanden haben, wie die Medienlogik funktioniert, wie Social Media funktioniert. Im Gegensatz zu allen anderen sozialen Bewegungen in Deutschland hat die Neue Rechte es verstanden, das bewusst einzusetzen, auch bewusst als Teil ihres Kampfes anzusehen und es dadurch zu schaffen, als breite Bewegung wahrgenommen zu werden."

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