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Fazit | Beitrag vom 12.05.2021

"Die Morde von Madrid" auf ArteZwei Sonderlinge auf Mörderjagd

Von Jörg Taszman

Ein dunkelhaariger Mann im Anzug und ein glatzköpfiger Grauhaariger mit Bart stehen vor einer soliden Holztür und schauen nach rechts. (Le Pacte)
Der stotternde Polizeibeamte Velarde (Antonio de la Torre, l.) und der hitzige Ermittler Alfaro (Roberto Alamo) sollen einen Mörder fangen – und der Papst ist auch noch in der Stadt. (Le Pacte)

Ein gegensätzliches Polizistenpaar jagt einen Serienmörder. Regisseur Rodrigo Sorogoyen erzählt in diesem düsteren Thriller neben dem Mordfall auch von den sozialen Spannungen in der spanischen Hauptstadt Madrid – zu sehen in der Arte-Mediathek.

Worum geht es?

Madrid ächzt im Sommer 2011 vor allem unter der Hitze. Außerdem hat sich Papst Benedikt XVI. angesagt. In dieser aufgereizten Stimmung geschehen plötzlich Morde an älteren Witwen.

Zunächst will man das innerhalb der Polizei als Raubmorde abhandeln und schnell zu den Akten legen. Daher betraut man zwei unbeliebte Polizisten mit dem Fall. Luis Velarde gilt als verklemmter Sonderling und Spezialist für Sexualverbrechen. Sein Partner Javier Alfaro steht nach mehreren Gewaltexzessen kurz vor dem Rausschmiss. 

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Dann jedoch findet Luis heraus, dass die Frauen vergewaltigt worden sind und es sich offensichtlich um einen Serienmörder handelt.

Was ist das Besondere?

Regisseur Rodrigo Sorogoyen hat in erster Linie einen sehr düsteren Film noir gedreht, der viel Wert auf die sorgfältige Charakterisierung der Protagonisten legt.

Die Monstrosität der Morde wird keinesfalls reißerisch zur Schau gestellt. Im Laufe des Films entwickelt sich das auch visuell überzeugende Werk dann mehr und mehr zu einem menschlichen Drama.

Unterschwellig zeigt der Film anhand eines Polizeikommissariats auch die Zerrissenheit und sozialen Spannungen innerhalb der spanischen Gesellschaft mitten in der Wirtschaftskrise.

Bewertung

Der raffiniert erzählte Genrefilm überrascht durch seine Mischung aus Realität und Stilisierung. Man bleibt nah an den beiden Polizisten, aber auch der Täter wird nicht wie in einem handelsüblichen Krimi im letzten Drittel aus dem Hut gezaubert, sondern als dritter Protagonist etabliert. 

Beeindruckend sind vor allem die Dissonanzen innerhalb der Polizei, der Versuch, Sexualmorde zu vertuschen, weil man den Papstbesuch und Tourismus nicht beeinträchtigen will. Präzise und hervorragend sind auch die Hauptdarsteller: Antonio de la Torre als stotternder, mitunter unsicherer Luis und der ständig unter Strom stehende, explosive Roberto Alamo.

In Spanien und Frankreich lief dieser Thriller in den Kinos 2016/2017 durchaus erfolgreich mit jeweils 200.000 Zuschauern. Schön, dass nach einer kaum beachteten DVD-Veröffentlichung Arte den Film nun besonders hervorhebt.

"Die Morde von Madrid"
Regie: Rodrigo Sorogoyen
Darsteller: Antonio de la Torre, Roberto Alamo
Spanien 2016, 111 Minuten
Bis 10.6. zu sehen in der Arte-Mediathek

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