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Im Gespräch | Beitrag vom 23.07.2021

Die Malerin Xenia Hausner"Mein Kosmos ist weiblich"

Moderation: Ulrike Timm

Profilbild der Malerin Xenia Hausner. Sie trägt halblanges brünettes Haar. (picture alliance / Robert Jäger)
Hat ihren Vater auf dem Sterbebett gemalt: die Malerin Xenia Hausner. (picture alliance / Robert Jäger)

Ihre Bilder sind Inszenierungen. Die Kulissen dafür baut Xenia Hausner, Malerin und gelernte Bühnenbildnerin, selbst, bestückt sie dann mit echten Menschen. Vor allem malt die Österreicherin Frauen – weil sie sie komplexer und "kunstfähiger" findet.

Auch Prominente wie die Schriftstellerin Elfriede Jelinek oder der Regisseur Claus Peymann haben ihr bereits Modell gestanden, doch vor allem malt Xenia Hausner Unbekannte, die sie auf der Straße oder bei Ausstellungseröffnungen anspricht. Viele ihrer Modelle sind kraftvolle Frauen - denn "Frauen waren von Anfang an mein Thema", sagt die Malerin.

Großflächig, farbstark und figurativ

Oft, erzählt sie, glaubten Betrachter ihrer Bilder, die abgebildeten Personen zu kennen. "Ich male nicht die äußere Schicht, sondern ich versuche, eine innere Schicht zu erwischen. Bei Porträts, auch wenn ich sie im klassischen Sinn nicht mache, ist es ein wesentlicher Punkt, eine Wahrheit zu erwischen. Und nicht irgendeinen Abklatsch von außen."

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Ihre Bilder beschreibt die Künstlerin, die in Wien und in Berlin lebt, als großflächig, farbstark und figurativ. Frauen, die den Betrachter intensiv anschauen, sind die dominierenden Figuren. Meist fotografiert sie ihre Modelle vorab. Ganze Szenen stellt sie plastisch auf, baut Kulissen. Da scheint die Bühnenbildnerin durch, die sie fünfzehn Jahre, bis 1990, war. Für eine Reihe über Menschen im Zug besorgte sie sich Sitze, Schalter und Mülleimer bei der österreichischen Bahn. "Ich brauche manchmal sehr konkrete Details."

"Meine Herren" sagte der Vater zu den Töchtern

Aufgewachsen ist Xenia Hausner in einer Wiener Künstlerfamilie. Ihr Vater ist der Maler Rudolf Hausner, Hauptbegründer der Wiener Schule des phantastischen Realismus. Dass Xenia und auch später ihre beiden jüngeren Schwestern selbst eine künstlerische Laufbahn einschlugen, war ihm gar nicht recht. Er stellte sich bürgerliche Berufe für die Töchter vor, die er mit "Meine Herren" anredete, wenn es ernst wurde.

Doch sein Plan schlug fehl. "Wir alle drei haben uns widersetzt", erzählt die Wienerin. Aus der einen Schwester wurde eine Filmregisseurin, aus der anderen eine Kostümbildnerin. Xenia Hausner studierte zunächst Bühnenbild – bis sie fand, das sei zu vergänglich. Und sich der Malerei zuwandte. So trat sie in die Fußstapfen des Vaters. Eines ihrer bewegenden Gemälde zeigt ihn auf dem Sterbebett.

Die Mutter, doppelt so groß wie der Vater

Die Mutter war ebenfalls prägend. Auf einer frühen Kinderzeichnung hat sie sie doppelt so groß wie ihren Vater gemalt. "Im Grunde genommen sieht man ja, dass das meiste in der Kunst schon früh angelegt ist", interpretiert die heute siebzigjährige Xenia Hausner eines ihrer allerersten Werke. "Ich finde Frauen interessanter, komplexer, widersprüchlicher. Sie können mehr, sie müssen mehr können und sind irgendwie kunstfähiger."

(svs)

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