Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton

Montag, 21.01.2019
 
Seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 17.05.2005

"Die Macht mit uns"

Star Wars und die Folgen

Rezensiert von Susanne Billig

Podcast abonnieren
Darth Vader  (AP)
Darth Vader (AP)

Kennen Sie Darth Vader, Han Solo und Yoda? Sind Ihnen die Jedi-Ritter und Prinzessin Leia ein Begriff? Dann gibt es jetzt ein Buch für Sie: "Die Macht mit uns - Star Wars und die Folgen".

"Frühjahr 1978. Ein junger Rechtsanwalt namens Gerhard Schröder wird Vorsitzender der Jusos. Breschnew kommt nach Bonn. Messner erklimmt den Everest. Aber all das interessiert uns nicht. Auf dem Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Meckenheim-Merl gibt es nur ein Thema ..."

Und das heißt Star Wars - Krieg der Sterne. Als der Regisseur George Lucas sein Weltraum-Epos in die Kinos brachte, erschuf er nicht nur den seinerzeit erfolgreichsten Spielfilm aller Zeiten: Er kreierte auch einen Kinokult, wie ihn die Welt bis dahin nicht gesehen hatte. Die kleinen Jungs auf den Schulhöfen von Nordamerika bis Meckenheim interessierte - zum Leidwesen der Lehrer - nur noch eine Frage: Würde Darth Vader - am Ende des ersten Teils der "Star Wars"-Trilogie besiegt, aber nicht getötet - zurückkehren?

Er kehrte zurück, und entpuppte sich obendrein als Vater von Luke Skywalker. Was für ein Drama! In seinem Buch "Die Macht mit uns - Star Wars und die Folgen" erzählt Autor Constantin Gillies amüsant und ironisch, wie der Krieg der Sterne das Lebensgefühl einer ganzen Generation prägte.

"Das Licht ging aus, und schon nach wenigen Sekunden war jedem Grundschüler klar: Das ist das Coolste, was wir je gesehen haben. Zugegeben: Das Wort cool gab es damals noch nicht, geil übrigens ebensowenig. Also fanden wir den Film stark. Dagegen konnte die Konkurrenz nicht anstinken. "Kampfstern Galactica"? Lächerlich! Bei uns auf dem Schulhof hieß die TV-Serie - politisch unkorrekt, wie Kinder nun mal sind - nur "Krampfstern der Spastiker". Und "Raumschiff Enterprise" tauften wir, weniger originell, zu "Raumschiff Entenscheiß" um. Star Wars war die Nummer eins - und der zweite Platz so weit weg, dass man ihn nicht mal sehen konnte."

Bücher über Star Wars gibt es jede Menge - die Flut der Sekundärliteratur ist kaum übersehbar. Trotzdem kommt die neue Dokumentation frisch und amüsant daher. Gillies - heute Korrespondent seriöser Tageszeitungen - kennt sein Metier, und das macht Spaß. 1970 geboren, war er Star Wars Fan der ersten Stunde, tauschte Klebebilder auf dem Schulhof, sammelte die Figuren und war schwer in Prinzessin Leia verknallt. Stilsicher, mit ironischem Abstand und mit viel Liebe zum Kult porträtiert der Autor die anderen Verrückten:

"Der bayerische Fan Marco Hammerand verfügt über die Power einer angriffsbereiten Kampfstation, wenn er vor seinem Computer sitzt. Der Bastler hat sein Arbeitszimmer zum Todesstern umgebaut, im Stil des imperialen Minimalismus - das Interieur in einem frischen Steingrau gestrichen, den Boden mit schwarzem PVC ausgelegt. Das Material stammt aus dem Baumarkt; ein bisschen Butterbrotpapier hat Hammerand auch verbaut. Nur einen Nachteil hat der Todesstern: Das einzige Fenster ist blockiert und lässt sich nicht mehr öffnen. Aber wer braucht schon Frischluft, wenn er das absolute Machtinstrument im Universum in den Händen hält?"

"Die Macht mit uns" ist randvoll mit farbigen Bildern und Anekdoten. Wir lernen den Läufer kennen, der im vollen "Star Wars"-Sturmtruppen-Outfit den New York-Marathon lief, sehen Wolfgang Clement hilflos mit dem "Laserschwert" fuchteln, das ihm bei einem Wirtschaftsempfang unversehens als Geschenk überreicht wurde, und erfahren von den vielen kleinen Nebendarstellern, die noch heute von dem Ruhm zehren, in Star Wars zehn Sekunden lang im Bild gewesen zu sein. Selbst einen Porno mit "Star Wars"-Zitaten hat der Autor ausgekramt.

Constantin Gillies hat eine wunderschöne und hervorragend recherchierte Dokumentation geschrieben - Mittdreißiger werden beim Lesen ins Schwelgen und Schwärmen geraten. Uneingeweihten ist wohl eher abzuraten - sie werden keinen blassen Schimmer haben, wovon der Mann da eigentlich spricht.

"Danke, George. Nicht dafür, dass du den vielleicht besten Film aller Zeiten gedreht hast. Auch nicht für die Erfindung des Mega-Merchandising und der modernen Spezialeffekte. Nein, George, wir danken dir für die Erinnerungen. Was immer noch kommen mag - wir werden "Krieg der Sterne" im Gedächtnis behalten. Insofern - die Macht wird mit uns sein. Immer."

Constantin Gillies: "Die Macht mit uns - Star Wars und die Folgen"
Rowohlt Verlag
9,90 Euro

Buchkritik

weitere Beiträge

Literatur

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur