Seit 15:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 20.01.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Thema / Archiv | Beitrag vom 05.04.2012

Die Landkarte unseres Schicksals

Ein Kurzporträt zum 80. Geburtstag von Bora Cosic

Von Eva Raisig

Seine Heimat Belgrad hat Bora Cosic vor 20 Jahren verlassen. (picture alliance/dpa/Jens Wolf)
Seine Heimat Belgrad hat Bora Cosic vor 20 Jahren verlassen. (picture alliance/dpa/Jens Wolf)

Vor 20 Jahren verließ der serbische Schriftsteller Bora Cosic aus Protest gegen das herrschende Regime seine Heimat. Aus der räumlichen und zeitlichen Distanz nahm er zuletzt mit "Frühstück im Majestic" seine Kindheit in Belgrad unter die Lupe.

Ob der Mensch hier oder dort geboren wird, ist eine Sache des Zufalls.
Damit verliert der Begriff "Heimat" oder "Vaterland" seinen besonderen
Stellenwert. Alles lässt sich auf geografische Koordinaten zurückführen –
profane Punkte auf der Landkarte unseres Schicksals.


Diese Feststellung trifft der serbische Schriftsteller Bora Cosic zu Beginn seines 2007 erschienenen Buchs "Die Reise nach Alaska", in dem er seine Rückkehr in das ehemalige Jugoslawien schildert, eine Reise in "das Land Null", wie er es nannte, und das er Jahre zuvor verlassen hat.

Bora Cosic, 1932 in Zagreb geboren, zog als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Belgrad, wo er später Philosophie studierte und als Übersetzer und Redakteur arbeitete. 1992 kehrte er der Stadt aus Protest gegen das serbische Regime den Rücken – seither wohnt er im kroatischen Istrien und in Berlin.

Bekannt wurde Cosic vor allem durch seinen satirischen Roman "Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution" aus dem Jahr 1969, in dem ein jugendlicher Icherzähler über den skurrilen Alltag seiner nicht weniger skurrilen Familie in den Wirren des 2. Weltkriegs in Belgrad berichtet. Die Bühnenfassung zog für Cosic ein jahrelanges Veröffentlichungsverbot in Jugoslawien nach sich.

Seither hat er über 30 Romane, Essay- und Erzählbände verfasst. Zuletzt erschienen "Eine kurze Kindheit in Agram" über seine ersten Jahre in Zagreb und die Belgrader Erinnerungen "Frühstück im Majestic", in denen er sich aus der Sicht des Kindes mit jenen geografischen Koordinaten auseinandersetzt, die wir Heimat nennen.



Links auf dradio.de:

Wunderkammer der Vergangenheit - Bora Cosic: "Frühstück im Majestic. Belgrader Erinnerungen"

Der Blick eines Kindes auf eine zerbrechende Welt - Bora Cosic: "Eine kurze Kindheit in Agram"

Fantasie und Trübsal - Bora Cosic: "Eine kurze Kindheit in Agram"

Lust an der Groteske - Bora Cosic: "Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten"

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur