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Musikfeuilleton | Beitrag vom 23.10.2020

Die italienische Reise der Komponistin Fanny Hensel tritt aus dem Schatten

Von Katalin Fischer

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Zeichnung einer jungen Frau mit auffallend großen Augen und einer typischen Bidermeier-Frisur, die mit verschränkten Armen vor dem Betrachter sitzt. (imago images / United Archives)
Fanny Mendelssohn, hier schon verheiratete Hensel in einem Porträt ihres Mannes Wilhelm Hensel. (imago images / United Archives)

Fanny Hensel war lange nur für ihre Lieder bekannt. Dabei umfasst ihr Oeuvre auch Kammermusik und Orchesterwerke. Ihre Italienreise 1839-40 schenkte ihr Anerkennung und Selbstvertrauen.

"Die schönste Musik auf Erden" habe sie geschrieben, schreibt ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy. Aber sie unterstützen – das nein! Es schickt sich nicht für Frauen, musikalisch vor die Öffentlichkeit zu treten.

Talent im Privaten versteckt

Dabei ist Fanny Mendelssohn ebenso begabt wie ihr Bruder Felix, bekam dieselbe fundierte Ausbildung. Zu Hause, bei den Sonntagskonzerten ein wenig dilettieren, das ja, aber mehr auch nicht. Doch sie dilettiert nicht, sie komponiert, dirigiert, spielt Klavier so gut "wie ein Mann", wie man ihr anerkennend bescheinigt. 

Lieder und noch viel mehr

Fanny Hensel, wie sie nach ihrer Heirat hieß, war lange Zeit nur für ihre Lieder bekannt. Dabei umfasst ihr Oeuvre auch Klavierstücke, Kantaten, Kammermusik und Orchesterwerke. Ihr Mann, der preußische Hofmaler Wilhelm Hensel, unterstützt sie tatkräftig - und dann kommt die Italienreise. Felix hatte ihr von dort so schöne Briefe geschrieben, doch sie durfte nicht reisen.

Römische Bewunderer 

Mit ihrem Mann Wilhelm fährt Fanny 1839-40 endlich in ihr Sehnsuchtsland - und erfährt eine Art Erweckung. Die junge Musikerszene Roms, zu der auch Charles Gounod gehört, zollt ihr höchste Bewunderung.

Eine Frau betrachtet in der  Dauerausstellung des Mendelssohn-Haus in Leipzig die Schriftstücke aus dem Nachlass von Fanny Hensel, die von vielen Klammern gehalten werden. (dpa-Zentralbild / picture alliance / Hendrik Schmidt)Im Mendelssohn-Haus in Leipzig ist eine Wand mit einer Flut von Briefen aus der Hand von Fanny Mendelssohn ausgestattet. (dpa-Zentralbild / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Zeugnis der Reise sind zahlreiche Briefe und ein musikalisches Tagebuch, betitelt  "Reise-Album 1839 bis 1840". Darin sind einige der in Italien entstandenen Kompositionen von Fanny Hensel enthalten, illustriert mit Zeichnungen von Wilhelm Hensel. 

Mehr als 150 Jahre zu spät

Wie steinig der Weg für Frauen in der Musik im 19. Jahrhundert war, zeigt die Tatsache, dass ihr 1831 komponiertes "Oratorium nach Bildern der Bibel" mit der "Cholera Kantate" erst 1984 uraufgeführt wurde. Das Manuskript des Werkes wird heute in der Mendelssohn-Sammlung der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt.

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