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Tonart | Beitrag vom 27.04.2021

"Die Gruppe" von Ja, PanikEine Band als Lebensform

Andreas Spechtl im Gespräch mit Vivian Perkovic

Die Band Ja, Panik (Bureau B / Max Zerrahn)
Auf dem Album "Die Gruppe" der Band Ja, Panik geht es um Krisen, die schon lange schwelen, aber erst durch die Coronapandemie sichtbar wurden. (Bureau B / Max Zerrahn)

Sie sind wieder da: Ja, Panik. Sieben Jahre haben die in Berlin lebenden Österreicher das Publikum auf ein neues Album warten lassen. Die Texte entstanden alle vor der Pandemie, trotzdem klingt "Die Gruppe" wie eine Coronaplatte.

Seit ihrer Gründung 2005 mändert Ja, Panik aus dem österreichischen Burgenland auf schönste Weise zwischen hedonistischer Dekadenz und pathetisch intellektueller Pose und setzt sich dabei doch wahrhaftig mit Inhalt und musikalischer Form auseinander.

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Sieben Jahre musste man auf ein neues Album der seit einigen Jahren in Berlin lebenden Band warten, doch jetzt ist es erschienen. Es heißt schlicht "Die Gruppe" – so wie sich Ja, Panik intern selbst bezeichnet.

"Wir kennen uns seit wir 15 sind"

Sänger Andreas Spechtl beschreibt das so:

"Ja, Panik, das ist einfach ein Teil der Gruppe Ja, Panik – nämlich der musikmachende. Wir beharren immer auf dieses Wort 'Die Gruppe', weil Ja, Panik für uns nach all den Jahren irgendwie auch eine gewisse Lebensform ist. Wir haben so lange zusammen gewohnt. Wir kennen uns, seit wir 15 sind. Wir versuchen, einen sehr altmodischen DIY-Gedanken irgendwie aufrechtzuerhalten, indem man einfach auch möglichst viel, was den Bandalltag betrifft, bei sich behält. Vom Produzieren einer Platte bis zum Cover und den Videos."

Entstanden sind die Texte auf "Die Gruppe" ein paar Jahre vor der Pandemie. Trotzdem fühlt sich das Album aktuell an.

Für Spechtl liegt das daran, dass die Coronakrise viele der unter der Oberfläche schlummernden Probleme erst sichtbar gemacht habe: Das totgesparte Gesundheitssystem etwa, die Verteilung von Impfstoffen und Wohlstand oder auch den Umgang mit der Natur.

Englisch als Fremdsprache - eine eigene Kunstform

Musikalisch versteht Spechtl die Band als relativ herkömmliche Gitarrenband mit vollkommen elektronischem Ausgangspunkt. Er habe auf den Demos Synthesizer-Flächen vorbereitet, auf denen der Rest der Band aufgebaut habe. Das führe dazu, dass "Die Gruppe" eine sehr durchlässige Platte sei: Sie lasse auch Momente zu, die man von klassischen Gitarrenbands nicht kenne. 

Geblieben ist allerdings der für Ja, Panik typische Mix aus Deutsch und Englisch. Das entstehe sehr unbewusst, so Spechtl:

"Das ist wirklich etwas, das mir beim Schreiben einfach so passiert. Es gibt nie den Moment, in dem mir ein Satz Deutsch einfällt und ich denke, den hätte ich gern auf Englisch, und ich ihn dann übersetze. Im Endeffekt geht es mir auch immer darum, Englisch als gewissen Fremdkörper zu begreifen. Ich verschleiere nicht, dass es nicht meine Muttersprache ist, und gehe mit dem Akzent offen um. Diese Form von Englisch zu verwenden, das kann auch nur ich als Nicht-Muttersprachler, und deswegen ist es eine eigene Kunstform."

(hte)

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