Das Feature, vom 29.06.2018

Die Frau hinter der PuppeHermine Moos

Das nackte Weib mit den üppigen Brüsten. Eine Männerfantasie. Nur die Haut passt nicht ins Konzept. Sie erinnert an ein Eisbärenfell! Der liebeskranke Oskar Kokoschka ließ sich im Revolutionswinter 1918/19 eine Alma-Mahler-Puppe anfertigen. Seine schräge Obsession erregt bis heute Aufsehen.

Der Künstler Oskar Kokoschka ließ sich im Revolutionswinter 1918/19 eine Alma-Mahler-Puppe von der Künstlerin Hermine Moss anfertigen. (Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Oskar Kokoschka-Zentrum)
Die Puppenmacherin Hermine Moos vor der Alma-Mahler Puppe in der elterlichen Wohnung, München 1919 (Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Oskar Kokoschka-Zentrum)

Doch die berühmten Fotos von dem lebensgroßen Kuschelmonster hat nicht Kokoschka gemacht. Sie stammen von der Künstlerin, die auch die Puppe schuf: Hermine Moos. Für die Münchner Malerin interessierte sich allerdings bisher niemand. Sie beging schon 1928 mit 40 Jahren Selbstmord. Trug etwa Kokoschkas vernichtende Kritik an dem ,Fetzenbündel' dazu bei?

Die Autorin jagt seit Jahren der Puppenmacherin nach, um ihr immerhin posthum zur Rehabilitation zu verhelfen. Keine leichte Sache. Denn die Nazis radierten ihre Familie aus. Manche Spur verliert sich im Nichts.

Produktion: Dlf/BR 2018