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Wortwechsel | Beitrag vom 08.01.2021

Die Folgen des BrexitBye bye Britain: Scheiden tut weh?

Moderation: Annette Riedel

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Zwei Hände mit den Fahnen von Großbritannien und der Europäischen Union. (imago images / fStop Images)
Man geht jetzt getrennter Wege: Doch wie werden Großbritannien und EU ohneeinander zurechtkommen? (imago images / fStop Images)

Nach jahrelangen Verhandlungen sind die Briten endgültig raus aus dem EU-Binnenmarkt. Die Brexit-Befürworter feiern, Skeptiker des Deals warnen vor Abschottung, überbordender Bürokratie und der Spaltung des Königreichs. Was kommt auf uns zu?

Seit dem 1. Januar 2021 geht Großbritannien eigene Wege. Premierminister Boris Johnson feiert den Austritt aus der EU als "großartigen Moment" und beschwört das Bevorstehen eines goldenen Zeitalters für den Welthandel. Doch der Härtetest für das neue Verhältnis steht noch aus. Brüssel hat jedenfalls als Sündenbock ausgedient.

Zwar wird es nach dem an Heiligabend noch eilig abgeschlossenen Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien auch künftig keine Zölle geben. Allerdings müssen britische Exporteure strengere Nachweise über Produkt- und Lebensmittelstandards liefern. Skeptiker warnen vor einer überbordenden Bürokratie, Verzögerungen durch schärfere Grenzkontrollen, Milliardenverlusten.  

Folgen für den Alltag

Während Premier Johnson und die Tories die neu erlangte Freiheit von Brüssel beschwören, befürchten andere den Zerfall des Königreichs. Schotten und Nordiren drohen, von der Fahne zu gehen. Auch im Alltag wird manches komplizierter: Die bisherige Personenfreizügigkeit fällt weg, das erschwert gegenseitige Reisen, Arbeitsgenehmigungen.

Für viel Kritik sorgt auch der Ausstieg der Briten aus dem europäischen Erasmus-Austauschprogramm für Studierende. Ganz zu schweigen von den Herausforderungen der Corona-Pandemie. Die durch die Virus-Mutation bedingten Grenzschließungen vor Weihnachten gaben einen Vorgeschmack auf etwaige erneute Abschottungen in der Zukunft.

Bye bye Britain – Scheiden tut weh?
Darüber diskutieren:
Gisela Stuart, ehemalige Labour-Abgeordnete und Brexit-Befürworterin
Bernd Lange, SDP-Europaabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Internationalen Handel im EU-Parlament
Tessa Szyszkowitz, Großbritannien-Korrespondentin des österreichischen Nachrichtenmagazins "Profil"
Christine Heuer, Deutschlandradio-Korrespondentin für Großbritannien

(sus)

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