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Echtzeit | Beitrag vom 07.03.2020

Die Droge GGefährliches Glücksgefühl

Von Gesine Kühne

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Menschen tanzen im Club (imago images / Westend61)
Wer mit G erwischt wird, bekommt Hausverbot: Einige Clubs fahren eine Zero-Tolerance-Politik. (imago images / Westend61)

Der Stoff GHB, auch als G bekannt, verspricht einen langanhaltenden Glücksrausch. Doch die illegale Droge ist gefährlich: Sie muss millilitergenau dosiert werden. Zu viel kann tödlich sein.

"Es ist wichtig, den Usern klar und deutlich zu machen, was es auch für andere bedeutet! Dass das übermäßige und unkontrollierte Konsumverhalten die Szene auch kaputt macht." – Mein wirklich guter Freund, ich nenne ihn mal Heiko, sitzt mir gegenüber. Unsere Blicke sind ernst, weil wir über ein schwieriges Thema reden. Über G, das ist die Abkürzung von GHB. Gammahydroxybutyrat. Eine der Vorstufen heißt GBL. Gammabutyrolacton.

Als Lösungsmittel frei erhältlich

Während GHB seit 2002 laut Betäubungsmittelgesetz als verbotene Substanz gilt, ist GBL frei erhältlich, denn es ist ein Lösungsmittel, das zum Beispiel als Graffitientferner eingesetzt wird. Aber eben nicht nur. Denn im Körper wird GBL zu GHB.

G ist eine Feierdroge und billig noch dazu. Ein Liter kostet um die 100 Euro. Für einen guten Rausch braucht Heiko nur 1,2 Milliliter. Er nimmt die Droge gern, weil G, wie er sagt, so schön verlässlich sei.

"Was vielleicht jeder kennt beim Alkoholtrinken zum Beispiel: Man trinkt eine Luft, ein Bier und noch einen Schnaps, und dann kommt irgendwann dieser eine richtig gute Moment, wo man sich richtig geil fühlt auf Alkohol. Du bist energiegeladen, du bist kontaktfreudig. Aber bei Alkohol hält das nur eine Minute. Und bei G bist du halt eine Stunde mit dem Glücksgefühl bedient."

Bewusstlosigkeit, Atemdepression, Tod

Warum dann die langen Gesichter, warum warnt ein G-User vor der Szenezerstörung? Dafür muss ich zurückspulen. Zu einem Erlebnis aus dem letzten Jahr. Es war an einem Sonntagnachmittag im Club. Typisch Berlin. Ich warte vor der Toilette. Als die Tür aufgeht, steht eine junge Frau vor mir, gestützt von ihrer Freundin. Sie hat sichtlich die Kontrolle über ihren Körper verloren, sie wankt unkoordiniert, verdreht die Augen. Sie schmiert, so heißt es im Clubjargon. Zu viel G.

Aber wie viel zu viel ist? Das kann keiner sagen, denn nur wenige Tropfen, wir bewegen uns im Milliliterbereich, können bei dieser Droge schon zu viel sein. Kontrollverlust, Bewusstlosigkeit bis hin zur Atemdepression. Eine Ex-Userin schreibt mir auf Instagram:

"Ich habe selber mal G genommen. Über einen kurzen Zeitraum, dafür jedes Wochenende beim Feiern. Dann bin ich irgendwann mal im Krankenhaus aufgewacht, weil mir jemand zu viel gegeben hat. Das war so traumatisch, dass ich seitdem zum Glück wieder davon losgekommen bin."

Eine Überdosis kann auch zum Tod führen. Das macht die Droge so gefährlich. Für Heiko ein Grund, sich penibel an seine Dosierungsregeln zu halten. 1,2 Milliliter alle ein bis zwei Stunden. Auf keinen Fall früher, auf keinen Fall mehr. Die "richtige" Dosis ist von Körpergröße und Gewicht abhängig.

"Diese Droge, diese Schwelle, sie verzeiht dir halt nichts. Die verzeiht dir keinen Überkonsum. Es ist eine sehr gefährliche Droge. Man muss ein sehr gefestigter Mensch sein, sehr strikt mit sich sein, um die Droge konsumieren zu können."

Clubs fahren eine Zero-Tolerance-Politik

Vincent Neumann, Therapeut in einer Drogenklinik bei Leipzig, erklärt, dass die Gefahr, die von G ausgeht, Menschen letztlich sogar anzieht.

"Das ist wie eine Selbstüberschätzung. Okay, ihr warnt davor, dass das ganz gefährlich ist. So schlimm kann es gar nicht sein. Ich probiere das mal, um zu zeigen, dass ich das im Griff habe. Für einige ist es so ein Drahtseilakt. Die wissen, das ist ganz schwierig, mitunter gefährlich und manchmal sogar auch tödlich, die Dosierung. Das ist für manche dann neben dem, was die Droge an sich schon hervorruft, so ein sekundäres High."

Dieser Drahtseilakt ist das, was Heiko als "übermäßiges und unkontrolliertes Konsumverhalten" bezeichnet. Wer überdosiert, bringt das Klima im Club durcheinander, der ist für viele ein Safe Space. Der eher harmlose Zwischenfall, den ich im Sommer miterlebt habe, ist einer von vielen. Ein Grund für viele Clubmacher, eine Zero-Tolerance-Politik zu fahren. Wer mit G erwischt wird, bekommt Hausverbot. Weil eine Fehldosierung mit G eben auch andere mit in die Verantwortung zieht.

Wenn Sie denken, dass Sie ein Problem mit der Droge haben, können Sie sich im Jüdischen Krankenhaus in der Klinik für Psychiatrie und Psychologie in Berlin oder unter der bundesweiten Sucht und Drogen Hotline melden, um Hilfe zu erhalten.

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