Die Dinge neu sehen

Von Astrid Nettling · 08.02.2011
Elizabeth Bishop (1911-1979) ist eine der großen amerikanischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts und hierzulande doch immer noch so gut wie unbekannt. Ihr relativ schmales, aber kostbares Oeuvre umfasst Gedichte, Erzählungen, Prosastücke sowie Übertragungen aus dem Portugiesischen und Spanischen.
Bishops Dichtung, so meisterhaft wie unangestrengt, scheut die großen Gesten, erzielt jedoch durch Zurückhaltung und Sprachgenauigkeit eine um so stärkere Wirkung. Kindheits- und Reiseerinnerungen, Geografisches, aber ebenso ganz alltägliche Dinge sind es, denen ihr dichterischer Blick überraschend neue Sichten abgewinnt: "Ich versuche einfach, die Dinge neu zu sehen."

Für ihren unverwechselbaren Ton hat Octavio Paz ein eindringliches Bild gefunden: "Wie Wasser kommt ihre Stimme aus einem dunklen, tiefen Ort; wie Wasser löscht sie einen doppelten Durst, den Durst nach Realität und den Durst auf Wunder."

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