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Echtzeit | Beitrag vom 12.01.2019

Die DIN 1451In der Norm steckt auch der Wurm

Albert-Jan Pool im Gespräch mit Katja Bigalke

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Das Ortseingangsschild von Jüchen. im Hitergrund blauer Winterhimmel und Baumwipfel (picture alliance / dpa / Marcel Kusch)
Schwarz auf gelbem Grund: Die Geschichte der offiziellen Ortsschilder-Schrift ist lang. (picture alliance / dpa / Marcel Kusch)

Es klingt absurd: Obwohl sie jedes Ortsschild ziert, gehört die Normschrift DIN 1451 nicht zu den leserlichsten. Warum das so ist, erklärt der Schriftgestalter Albert-Jan Pool - und dass eine Umstellung mit hohen Kosten verbunden wäre.

Die deutsche Normschrift DIN 1451 kennen alle: Sie steht auf jeder Ortstafel und jedem Verkehrsschild. Ihre Geschichte ist lang – die ersten Bemühungen um einen einheitlichen Stil bei den Beschriftungen im öffentlichen Raum stammen aus den 1930er-Jahren. Angetrieben wurde dies von einem Siemens-Angestellten, dem klar gewesen sei, dass auch Dinge nach Gestaltung verlangen, die nicht gestaltet wirken, erzählt Albert-Jan Pool im Deutschlandfunk Kultur.

Eher unbeholfener Ausdruck deutscher Ingenieurskunst

Der Schriftgestalter ist heute Obmann im DIN-Normenausschuss Schriften, wo bearbeitet und aktualisiert wird - nur leider nicht die Normschrift selbst: Sie gilt als eher unbeholfener Ausdruck deutscher Ingenieurskunst, weil sie mit Kreisen und Geraden entworfen ist. Die Idee bei ihrer Entwicklung war, dass sie so jeder nachzeichnen können sollte. Deshalb gehört sie allerdings nicht zu den leserlichsten Schriften.

DDR-Ortstafeln waren besser lesbar

So sei die Gil Sans, die Verkehrsschrift der DDR-Ortstafeln besser lesbar gewesen als die des Westens, sagt Albert-Jan Pool. Ähnliches gilt für die Frutiger-Schrift in der Schweiz. Eine Umstellung ist allerdings mit hohen Kosten und - siehe Schweiz - Jahrzehnten des Übergangs verbunden, was der DIN-Schrift 1451 wohl noch ein langes Leben bescheinigen wird.

Blick auf einen geschwungenen Treppenaufgang, rechts an der Wand steht der Schriftzug "Großer Saal". (picture alliance / imageBROKER)Elbphilharmonie in Hamburg: Treppenaufgang zum großen Konzertsaal (picture alliance / imageBROKER)

Erfolgreich ist derweil die überarbeitete Variante, die Albert-Jan Pool in den 90er-Jahren hergestellt hat: ein Bestseller, in dem etwa das Leitsystem der Hamburger Elbphilharmonie gehalten ist.

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