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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.03.2009

"Die Bundesebene müsste mehr Einfluss bekommen"

Studierendenvertreter fordert Zentralbehörde für Platzvergabe

Florian Keller im Gespräch mit Leonie March

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Studenten sitzen in einem Hörsaal  in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)
Studenten sitzen in einem Hörsaal in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)

Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) hat die Einigung von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und den Hochschulen auf eine vereinfachte Studienplatzvergabe zurückhaltend gelobt. Das sei "ein kleiner Schritt in die richtige Richtung", sagte FZS-Vorstandsmitglied Florian Keller. Abzuwarten bleibe, ob sich alle Hochschulen an dem neuen Verfahren mit gemeinsamen Fristen und Internet-Börse beteiligten.

Leonie March: Am Telefon begrüße ich jetzt Florian Keller, er ist Vorstandsmitglied des FZS, des Dachverbandes der Studierendenvertretungen in Deutschland. Guten Morgen, Herr Keller!

Florian Keller: Ja, guten Morgen.

March: Rechnen Sie damit, dass das Zulassungschaos durch das neue Verfahren beseitigt werden kann?

Keller: Es wird sich ein bisschen begrenzen, beseitigt wird es allerdings auf keinen Fall.

March: Sehen Sie denn die Vorteile für Studienbewerber, die eben beschrieben wurden, also zum Beispiel, dass das Verfahren transparenter wird?

Keller: Ja, also transparenter würde ich dazu nicht sagen. Es wird terminlich besser abzuschätzen, wobei der 15. Juli, wie er vorhin genannt wurde, ja vorher bei den meisten Hochschulen auch schon so gesetzt war. Transparenter würde ich das allerdings nicht nennen, weil die Hochschulen an ihren eigenen Zulassungsverfahren ja festhalten, die sind in sich allerdings völlig intransparent, da weiß ja keiner, auf was die sich eigentlich beziehen und warum man da jetzt eine Zusage kriegt oder warum man da eine Absage kriegt.

March: Das heißt, es bleibt bei den Nachteilen für die Studienbewerber?

Keller: Ja, ich würde das Ganze jetzt eher so als, ich sage mal, Absichtserklärung der Hochschulen interpretieren, sich ein bisschen mehr zusammenzureißen, die Antworten irgendwie im Nachrückverfahren und so weiter und so fort nicht irgendwie über Monate zu verschleppen oder auch, dass die erste Zusage mal wenigstens in einem halbwegs ähnlichen Bereich kommt. Die Ankündigung ist schon mal ganz nett, trotzdem glauben wir ganz ehrlich, wenn wir in unseren Hochschulen so ein bisschen in die Univerwaltungen reinhören, nicht so wirklich daran, dass sie diese Last überhaupt bewältigen können.

Die Hochschulverwaltungen haben das ja nicht freiwillig gemacht, das Ganze war einfach so komplex, dass sie wochenlang still lagen und dann über Wochen immer ein Verfahren nach dem anderen abgearbeitet haben. Von daher weiß ich nicht, ob die jetzt plötzlich unglaublich viele neue Stellen in der Verwaltung kriegen, weil das wäre eigentlich nötig, um das so zu machen.

March: Heißt das auch, das Grundprinzip ist falsch, nämlich dass die Universitäten ihre Studenten selbst auswählen?

Keller: Es ist zumindest falsch, wenn man sich anguckt, auf was die mittlerweile alles Wert legen. Man darf nicht vergessen, diese Geschichte mit der Studienplatzvergabe ist eine Mängelverwaltung, eine Mängelverwaltung ist nie toll. Und dann muss man sich aber überlegen, auf welche Parameter man sich stützt. Wir sind der Meinung, wenn man sich auf irgendwelche Parameter stützen muss, dann kann man sich nur auf Noten stützen. Die sind auch in gewisser Weise subjektiv, allerdings nicht so subjektiv wie anderes, was da teilweise abgeprüft wird, und von daher wäre irgendwie, das Ganze zentral zusammenzuwerfen und sich auf Noten zu stützen, dann aus unserer Sicht noch das Beste.

March: Sie halten also Noten für aussagekräftiger als Bewerbungsgespräche?

Keller: Ja, auf jeden Fall. Bei Bewerbungsgesprächen prüfen Sie zu einem recht großen Teil ja quasi nur den Habitus der Bewerberinnen und Bewerber ab, also in gewisser Weise auch die soziale Herkunft. Das ist aus unserer Sicht ein ganz wesentlicher Punkt, was Bewerbungsgespräche angeht. Außerdem sollte man nicht vergessen, was bei einem Bewerbungsgespräch noch ein Problem ist, ist ein finanzielles für die Bewerberinnen und Bewerber. Wenn die sich eben auf zehn Hochschulen in der ganzen Bundesrepublik bewerben, dann wollen sie da auch erstmal hingefahren sein, das kostet auch einige Euro.

March: Nun gibt es ja eine Zentrale Vergabestelle für Studienplätze, die ZVS. Allerdings ist das Angebot seit dem vergangenen Jahr freiwillig und nur noch in drei Fächern verpflichtend. Muss die ZVS wieder mehr Einfluss bekommen?

Keller: Ich würde sagen, die Bundesebene müsste mehr Einfluss bekommen. Die ZVS ist ja nicht ohne Grund durch die eine oder andere Fehlfunktion in der Vergangenheit in der Kritik oder bei den Hochschulen, bei den Hochschulleitungen durchaus noch ein bisschen verschrien, was aus unserer Sicht allerdings her müsste, und da ist die ZVS naheliegend, ist eben eine Lösung von Bundesebene, und eigentlich gibt es da ja eine Behörde, die da in Dortmund sitzt, die damit relativ viel Erfahrung hat. Deshalb würden wir vermuten, dass die das auch am besten gelöst bekommen würde.

March: Was heißt das konkret, wie sollte eine bundesweite Vergabe Ihrer Meinung nach aussehen?

Keller: Unserer Meinung nach können die Hochschulen schon eigene Akzente setzen und auch klarer ausdifferenzieren, welchen Bereich sie abdecken, welche Fachdisziplin sie … in welche Richtung sie so ein bisschen gehen und so weiter und so fort, dass es nicht alles so völlig in einen Topf geworfen wird. Wenn dann irgendwie bei so einer zentralen Behörde die Hochschulen melden könnten: Wir wollen auf dies und jenes Wert legen, und sammelt ihr bitte die Bewerbungen bis zum x-ten ein und werft das anschließend durch die Software durch und meldet uns dann unsere 200 Studierenden, die wir in diesen und jenen Studiengang einschreiben können, das wäre aus unserer Sicht noch eine relativ einfache Sache. Die würde dann auch wirklich ernsthaft beheben, dass irgendjemand zwei Zusagen bekommt, obwohl er ja eigentlich nur einen Studienplatz braucht.

March: Dann war das gestern ja doch eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung?

Keller: Ja, ein kleiner Schritt in die richtige Richtung auf jeden Fall. Was man dabei allerdings auch nicht vergessen kann, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz hatte da ja auch gesprochen, man muss jetzt dann halt auch abwarten, ob dann hoffentlich auch alle Hochschulen mitmachen, denn so wie ich das jetzt gesehen habe, werden die ja nicht dazu gezwungen, was allerdings in dem Bereich, der so wichtig ist, vielleicht auch nicht das Allerschlechteste wäre.

March: Florian Keller war das, er ist Vorstandsmitglied der FZS, des Dachverbandes von Studierendenvertretungen in Deutschland. Vielen Dank für das Gespräch.

Keller: Kein Problem, schönen Tag noch.

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