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Vollbild | Beitrag vom 19.06.2021

Die besten Filme mit Tommy Lee Jones in den 2000ernHollywood-Haudegen im Charakterfach

Von Hartwig Tegeler

Tommy Lee Jones steht in einer Szene aus dem Film "Ad Astra" von James Gray vor Rohren und Sicherungskästen. Er sieht angespannt aus. (picture alliance / Everett Collection / Francois Duhamel)
Tommy Lee Jones im Film "ad astra" (picture alliance / Everett Collection / Francois Duhamel)

In "Kings of Hollywood" – bald in den Kinos – ist auch Tommy Lee Jones dabei. Nach "Love Story", seinem Debüt 1970, spielte er immer öfter auch im Charakterfach. Die Top Five seit der Jahrtausendwende beginnen mit einem Eastwood-Film.

Platz 5 - "Space Cowboys" von Clint Eastwood (2000)

Ein uralter Satellit droht auf die Erde zu stürzen. Keiner beherrscht mehr  das Steuerungssystem, außer den Astronauten, die in den Urzeiten der 1950er Jahre den ersten Raumflug absolvieren sollten. Doch Schimpansin Mary-Ann übernahm das Kommando damals. Als Weltenretter kommen die alten Herren nun doch nochmal ins All: neben James Garner, Donald Sutherland und Clint Eastwood eben auch Tommy Lee Jones. Das Alter zeigt seine Schatten, aber neben Rentner-Gags bildet die Figur des Astronauten "Hawk" Hawkins eine komödiantische Vorschau auf die ernsten Alters-Rollen von Tommy Lee Jones.

Platz 4 -"Die Stunde des Jägers" von William Friedkin (2003)

Die Haare werden immer schütterer, immer grauer. Der Antagonismus zwischen Zivilisation und Barbarei tobt in der Figur des Spurensuchers in "Die Stunde des Jägers". In geschlossenen Räumen fängt er an zu zittern. Die Stadt, in die er muss, kommentiert er so: "Es ist eine Wildnis." Aber wenn der ehemalige Ausbilder für Spezialeinheiten in dieser Wildnis ist, die für uns die reine Wildnis ist, wirkt er wie ein Teil von ihr. Ein Tötungsspezialist der Armee – Benicio del Toro – ist nicht mehr an die Leine zu bekommen. L. T. - Tommy Lee Jones – jagt ihn. Illusionen hat er keine über sich selbst als Rädchen in einem Getriebe. Er sagt: "Habe eine Menge ausgebildet. Die Besten der Besten. Und so ein Unsinn." Kalter Pragmatismus. Gefühle sind am Ende nur spürbar, wenn der weiße Wolf, den L. T. aus der Falle befreite, an seiner Hütte in der Bergen vorbeiläuft. Tommy Lee Jones am Ende von hinten zu sehen auf der verschneiten Veranda – wie ein moderner Wiedergänger von Henry David Thoreau aus "Walden oder Leben in den Wäldern". Einsamkeit? Oder vereint mit der Natur? Eine stille Utopie.

Platz 3 -"Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" von Tommy Lee Jones (2005)

Die Falten auf seiner Stirn sind immer tiefer gezeichnet - wie die Canyons der USA. Der alte Cowboy, den Jones in diesem Film spielt, hatte einen mexikanischen Freund. Melquiades bittet Pete, ihn, falls er hier in Texas sterben sollte, nach Hause zu bringen. Pete entführt den Mann, der Melquiades getötet hat. Verschleppt ihn zusammen mit der Leiche des Freundes nach Mexiko zu der Stadt, in der der Tote begraben werden wollte. Doch diese Stadt gibt es nicht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Preis, den Pete für diesen letzten Freundschaftsdienst bezahlen muss in dieser grandiosen Landschaft, der des Wahnsinns ist. Aber das war schon immer so im Western, dem Regisseur Tommy Lee Jones hier betörende Bilder gibt: das Überschreiten der Grenze nach Mexiko bedeutete Freiheit, Wahnsinn oder beides.

Platz 2 – "Im Tal von Elah" von Paul Haggis (2007)

Die Augenränder wie tiefe Wülste, auch tiefer und tiefer. "Ich werde ihn finden", sagt der Vater, einst Militärpolizist im Vietnamkrieg, dessen Sohn nach dem Einsatz im Irak ermordet wurde. Noch eine Vaterrolle von Tommy Lee Jones. Als der verzweifelte Sohn aus dem Krieg anruft – "Du musst mich hier rausholen!" –, wiegelt der Vater ab: "Das sind nur die Nerven. Dir passiert nichts, Junge!" Doch "der Junge" verwandelte sich in einen sadistischen Mörder. Mit der Erkenntnis des Vaters über die Schuld, seinen Sohn den eigenen Werten von Pflicht und Disziplin geopfert zu haben, fängt sein Panzer an zu bröseln. Erschütterndes Porträt eines desillusionierten Mannes, das sich aus dem zerknitterten, markanten Gesicht des Hauptdarstellers herausschält.

Platz 1 - "Ad  Astra – Zu den Sternen" von James Gray (2019)

Der Blick immer melancholischer, weltabgewandter aber auch: durchdringender. Noch ein Vater, noch ein Sohn – Tommy Lee Jones, Brad Pitt. Weit draußen im All, beim Neptun, oder jenseits davon. Herz der Finsternis. Der Sohn soll den Vater töten, der vielleicht Schuld ist an den elektromagnetischen Stürmen, die von dort die Erde bedrohen. Der Sohn trifft auf einen Robinson – "lost ins space" –, der keineswegs auf das rettende Schiff wartete. "Ich bin schon seit einiger Zeit allein und versuche, diese gottverdammte Welle zu stoppen", sagt der Vater. "Deshalb bin ich hier, ich werde das beenden", meint der Sohn, um hinzuzufügen: "Und wir können vielleicht zusammen nach Hause." Zu Hause? Das gab es nie. Dann ruft das kleine Kind im alten Mann zum Sohn: "Lass mich nicht scheitern!" Toxische Männlichkeit, identisch mit Kindlichkeit: deren Darstellung von Tommy Lee Jones in ihrer ruhigen Gefährlichkeit pustet uns weg.

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