Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Sonntag, 08.12.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Fazit | Beitrag vom 30.11.2019

"Die Anderen" an der Schaubühne BerlinVorhersehbare Nexfilx-Dramaturgie

Tobi Müller im Gespräch mit Andrea Gerk

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Szenenausschnitt aus dem Stück "Die Anderen" von Anne-Cécile Vandalem an der Berliner Schaubühne zeigt durch die Frontscheibe eines Autos ins Innere blickend Veronika Bachfischer, Ruth Rosenfeld (als Schamanin verkleidet), David Ruland im Auto sitzend mit in der Bewegung erstarrten Scheibenwischern.  (Arno Declair / Schaubühne Berlin)
In "Die Anderen" werden im Auto mitgenommene Fremde nach einem Ritual geopfert. (Arno Declair / Schaubühne Berlin)

In ihrem Stück "Die Anderen" arbeitete die belgische Regisseurin Anne-Cécile Vandalem das erste Mal mit dem Ensemble der Schaubühne Berlin. Kritiker Tobi Müller war begeistert von tollen Schauspielerinnen in einer wenig überraschenden Geschichte.

Die Geschichte solle in der nahen Zukunft spielen, im Jahr 2023. "Aber das ist eine Geschichte, die schon immer stattgefunden hat, heißt es im Vorspann tatsächlich auf einem Screen auf der Bühne", erklärt Fazit-Kritiker Tobi Müller die Einordnung von "Die Anderen" der belgischen Regisseurin, Schauspielerin und Autorin Anne-Cécile Vandalem. 

In einem Land in Europa ist die Situation die, "dass es im Süden dieser Region brennt. Deswegen kommen die Flüchtlinge. Im Norden ist eben der Regen." Dies sei der Hintergrund der Geschichte, der nicht weiter bearbeitet werde, erklärt Tobi Müller, und "vor dem sich quasi diese Netflix-Dramaturgie durchspannt".

Hervorragende Schausspielerinnen und eine tolle Bühne

"Die Anderen" seien zum einen die Flüchtlinge, die im Dorf ankommen und "geopfert" werden, zum anderen aber auch die Dorfbewohner selber. Die Geschichte erinnere sehr an "Malen nach Zahlen" und werde "sehr schematisch durchgeführt", so Müller. Es bleibe bei einer relativ einfachen "Opfer-Mechanik", die sich an einem Geheimnis aufhänge.

Es gibt keine Kinder in dem Dorf; sie sind bei einem Attentat an der Schule umgekommen. "Und jetzt muss in einem jährlichen Ritual ein neues Opfer gefunden werden, um das quasi zu sühnen. Das ist eine sehr klassische Mechanik. Also wer Freuds "Totem und Tabu" kennt oder vielleicht schon mal was von René Girard gelesen hat, erfährt da nichts Neues."

Die Mechanik des Stücks bleibt vorhersehbar

Dennoch hätte der Abend auch überzeugt, meint Müller. "Es ist eine sehr tolle Bühne, sehr atmosphärisch wird das hergestellt, sehr realistisch." Auch die Schauspielerinnen des Abends – Jule Böwe, Stephanie Eidt und Veronika Bachfischer – seien hervorragend gewesen. "Also wir sehen da mindestens drei tolle Schauspielerinnen an dem Abend, die dann auch gleichzeitig für die Gewalt zuständig sind. Das fand ich überraschend, die Mechanik des Stücks überhaupt nicht. Selten fand ich etwas so vorhersehbar am Theater wie heute Abend."

(kpa)

Weitere Vorstellungen: 1. - 8. Dezember 2019 und 24. - 27. Januar 2020

Die Anderen
von Anne-Cécile Vandalem
Regie: Anne-Cécile Vandalem
Schaubühne, Berlin

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsRache mit Hund
Angela Merkel, Wladimir Putin und ein Labrador. (Epa/Sergei Chirikov/dpa)

Anlässlich einer Ausstellung über des Menschen besten Freund, den Hund, ruft die „FAZ“ ein unschönes Zusammentreffen von Angela Merkel und Wladimir Putin aus dem Jahr 2007 in Erinnerung und lobt den Präsidenten für seine meisterhafte Revanche.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur